The Art of Storytelling
Deutsche Bank und Frieze Los Angeles vergeben neuen Filmpreis

Es ist die Chance ihres Lebens: Zehn junge Filmemacher wurden ausgewählt, um mit Unterstützung der renommierten Ghetto Film School ihre Sicht auf Los Angeles zu zeigen. Ihre Kurzfilme sind für den „Deutsche Bank Frieze Los Angeles Film Award“ nominiert, der jetzt erstmals auf der Frieze Los Angeles vergeben wird – und dabei unkonventionelle Wege geht.
In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich zwischen der aktuellen Kunst und der Filmindustrie eine Revolution vollzogen. Bildende Künstler wie Sam Taylor-Johnson, Steve McQueen oder Julian Schnabel haben als Regisseure Hollywood erobert. Und andersherum werden Filmemacher mit großen Ausstellungen als Künstler gefeiert – Wes Anderson und David Lynch zum Beispiel. Wie kein anderes Medium wird Film mit neuen Formen von Storytelling verbunden. Und das kann, so haben Streaming-Dienste wie Amazon und Netflix es bewiesen, radikal experimentell sein und zugleich ein ganz großes Publikum erreichen. Schon seit der Moderne zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren Kunst und Film eng miteinander verbunden. Doch durch die Digitalisierung ist inzwischen eine dynamische visuelle Kultur herangewachsen, in der sich die Grenzen zwischen Arthouse und Mainstream und auch zwischen der Kunst- und Filmwelt immer mehr auflösen.

Davon profitieren vor allem kommende Generationen von Filmemachern und Künstlern. Dass die Frieze Los Angeles als junge Kunstmesse letztes Jahr ihre Premiere in den Paramount Studios feierte, ist mehr als ein symbolischer Akt. Die gesamte Stadt ist um die Studios herum gewachsen, ihre Geschichte untrennbar mit der Geschichte des Kinos und der Unterhaltungsindustrie verbunden. Sie schufen zugleich die kreative Infrastruktur, die Los Angeles auch zu einer Kunstmetropole des 21. Jahrhunderts werden ließ, die immer mehr Menschen anzieht. Nicht nur Künstler, Galeristen, Sammler oder Kuratoren wollen nach Los Angeles, sondern auch junge Filmemacher und Kreative, die in den Grenzgebieten zwischen Kunst und Film, Dokumentation und Fiktion nach radikal neuen Formen des Erzählens suchen. Diesen bietet der Deutsche Bank Frieze Los Angeles Film Award jetzt eine innovative und öffentlichkeitswirksame Plattform. Initiiert wurde der Preis von der Deutschen Bank in Partnerschaft mit der Messe und der preisgekrönten Ghetto Film School. Zehn junge Filmemacher, die zwischen 20 und 34 Jahre alt sind, wurden nach einem Open Call ausgewählt und dann von der Filmschule mit Mentoren, praktischer und künstlerischer Unterstützung in einem viermonatigen Programm intensiv betreut. Ihre Aufgabe: Einen Kurzfilm zu realisieren, der von der künstlerischen, sozialen oder kulturellen Landschaft von Los Angeles inspiriert ist.

Für die Unterstützung solcher Projekte bringt die Ghetto Film School eine Menge Erfahrung mit. Ursprünglich vor 20 Jahren von Joe Hall, einem ehemaligen Sozialarbeiter in der New Yorker South Bronx, als Non-Profit-Organisation gegründet, um Jugendlichen aus armen Nachbarschaften und sozialen Brennpunkten Gelegenheit zu einer Filmausbildung zu geben und in ihrer Kreativität zu fördern, hat sie 2017 neben der Niederlassung in Los Angeles auch eine Dependance in New York eröffnet. Ihr Erfolg beruht auf der Verbindung von einem Studienprogramm in Klassen und der Ermöglichung ganz praktischer Erfahrungen in der Unterhaltungsindustrie. „Die Ghetto Film School bietet dabei soviel mehr als nur die Unterstützung von Filmemachern, die hinter der Kamera stehen“, sagt Sharese Bullock-Bailey, die für die Strategieplanung und die Partnerschaften der Schule verantwortlich ist. „Unseren Partnern, die die Studierenden mit unglaublichem Einsatz unterstützen, kommt dabei eine Schlüsselfunktion zu. Sie eröffnen auch andere kreative Möglichkeiten, die mit Film verbunden sind. Neben dem Filmemachen haben unsere Absolventen auch Laufbahnen als Produzenten in der Werbung, Autoren, Studio Manager oder Bühnenbildner eingeschlagen.“ Viele der ehemaligen Studenten sind der Schule auch noch lange nach ihrem Abschluss verbunden, betrachten sie als „Familie“. So auch Luis Servera, Drehbuchautor und Regisseur, der 2004 graduierte und seitdem miterlebt, wie die Schule wächst und sich weiterentwickelt. Wie erklärt er den Erfolg? „Sie erkennen die Kraft des Storytellings und auch die Kraft derjenigen, die diese Geschichten erzählen, ganz gleich wie nun ihr sozialer oder kultureller Hintergrund ist. Sie haben verstanden, wie absolut notwendig es ist, auch denjenigen eine Ausbildung oder Chancen zu ermöglichen, die sonst kaum Zugang dazu hätten, um Talente zu fördern, die sonst unentdeckt blieben.“

Von den zehn in Los Angeles lebenden Filmemachern, die für den Deutsche Bank Frieze Los Angeles Film Award nominiert wurden, sind einige Quereinsteiger. Sie begannen als bildende Künstler, Autoren, Fotografen, einer studierte zunächst Psychologie und Neurobiologie. Einige produzieren seit ihrer Jugendzeit ihre Filme selbst, andere arbeiten bereits in der Industrie oder haben an internationalen Filmfestivals teilgenommen. Sie alle verbindet nicht nur die Liebe zum Film, sondern auch der Entschluss, eine eigene unverwechselbare Stimme zu finden und dabei auch neue, unkonventionelle Wege zu gehen. Dieser Entschluss hat sich schon jetzt für sie gelohnt. Eine hochkarätig besetzte Jury wird über jeden einzelnen Beitrag abstimmen: die Künstlerin und Regisseurin Sam Taylor-Johnson, der Künstler Doug Aitken, Shari Frilot, die die Sektion New Frontier auf dem Sundance Filmfestival betreut, der renommierte Fernsehregisseur Jeremy Kagan und Hamza Walker, der Direktor des bekannten Ausstellungsraumes LAXART. Die nominierten Filme werden während der Frieze Los Angeles zwischen dem 14. und 16. Februar im Paramount Theatre gezeigt und online gestreamt. Die Gewinnerin oder der Gewinner des mit 10.000 Dollar dotierten Preises wird bereits am 13. Februar während einer festlichen Verleihung im Kino bekannt gegeben. So spannend der Wettbewerb auch ist, aus den 10 Beiträgen entsteht zugleich eine Art Gesamtkunstwerk, ein assoziatives, diverses Porträt der Stadt und der Ghetto Film School Fellows, die sie sehen – und die Filmmetropole Los Angeles vielleicht in Zukunft auch mitprägen werden.

Deutsche Bank Frieze Los Angeles Film Award
Frieze Los Angeles
14. – 16. Februar 2020
Paramount Pictures Studios, Hollywood