Deutsche Bank Frieze Los Angeles Film Award:
Die Shortlist, die Künstler und ihre Filme

Zehn junge Filmemacher und Künstler wurden nach einem Open Call ausgewählt, um mit Unterstützung der Ghetto Film School einen Kurzfilm für den Deutsche Bank Frieze Los Angeles Film Award zu drehen. Die einzige Bedingung: Der Film muss von der kulturellen und gesellschaftlichen Landschaft der Metropole Los Angeles inspiriert sein. Die Gewinnerin oder der Gewinner wird während der Frieze Los Angeles in einer feierlichen Zeremonie im Paramount Pictures Theater am 13. Februar bekanntgegeben. Wir stellen die Nominierten vor.

Danielle Boyd, Dethroned & Displaced

Danielle Boyd, 24, ist Autorin/Regisseurin aus L.A. Sie hat mehrere Kurzfilme produziert, darunter The Hooligans (2015). Ihr erstes Musikvideo Visions 20/20 wurde auf dem Los Angeles Music Video Festival gezeigt. Für das Hip-Hop-Kollektiv Highclass Hoodlums drehte sie 2019 das Video zu Platinium Dream. Derzeit arbeitet sie in Ruanda an ihrem ersten Spielfilm. Für den Deutsche Bank Frieze Los Angeles Film Award tritt sie mit Dethroned & Displaced an, einem Film, der sich mit ihren afrikanischen Wurzeln beschäftigt: „Mich treibt der Wunsch an, anderen zu helfen, ihre Wahrheit zu entdecken. Das Konzept für Dethroned & Displaced entwickelte sich schon bei der ersten Sitzung im Rahmen des Stipendiums, bei einem Besuch von Shirin Neshats Ausstellung im The Broad. Mich inspirierte, wie sie ihre Gefühle über das Exil und die Ferne von ihrer Heimat vermittelt. Nachdem ich zum ersten Mal in Afrika war, begann ich diese Lücke zu spüren, die da war, weil ich mich nicht mit meiner afroamerikanischen Identität auseinandergesetzt hatte.“






Mya Dodson, Cosmic Affirmation

Mya Dodson, 23, stammt aus Fayetteville, North Carolina, und ist Absolventin der Ghetto Film School. Ihre Filme erkunden spirituelle und emotionale Aspekte menschlicher Erfahrungen in der schwarzen Community. Sie inszeniert Tanzvideos und führt Regie bei Musikvideos. „Das Konzept für meinen Film kam mir in einer Vision, als ich Anfang des Jahres meine Familie in Korea besuchte. Meine Schwester hatte mich kurz zuvor ermutigt, ‚in Liebe, nicht in Angst‘ vorwärts zu gehen – ein Motto, das für mein ganzes Jahr den Ton angab. Ich meditierte zu Frequenzen über Kopfhörer, als mir diese Affirmation in den Sinn kam. So wurde Cosmic Affirmation geboren. Ich wollte in dem Film zeigen, wie ich Angst durch Liebe überwinde.“






Alima Lee, Ghetto Mysticism: Transient Nature

Alima Lee, 27, ist eine interdisziplinäre Künstlerin aus New York und lebt derzeit in L.A. In ihrem Werk untersucht sie Themen wie Identität und Diskriminierung. Ihre Filmarbeiten wurden in Kunstinstitutionen wie der Tate Modern, dem MOCA, und im ICA Boston präsentiert. „Künstlerin zu sein, war nie eine Wahl für mich, sondern immer ein Mittel, um zu überleben. Als schwarze queere Frau in einer von Weißen dominierten Industrie erlebt man Härten und Rückschläge, aber das ist es, was ich tun muss, um mich auszudrücken. Nachdem ich den Film Space is the Place von Sun Ra gesehen hatte, träumte ich von einem Portal, das wie ein leerer Flur aussah und in verschiedenen Teilen der Stadt erschien. Durch das Portal konnten schwarze und indigene Leute auf einen anderen Planeten fliehen, auf dem sie in Sicherheit sind. Ich habe dieses Konzept in meinem Kurzfilm, in dem ein Mädchen auf eines dieser Portale stößt, wieder aufgegriffen. Der Film erzählt, warum sie beabsichtigt, es zu benutzen.“






Noah Sellman, Ad Frequency

Noah Sellman, 24, wurde in Colorado geboren und wuchs im San Luis Valley auf, einer ländlichen Gegend in den südlichen Rocky Mountains. Nach seinem Schulabschluss studierte er Filmwissenschaft an der Wesleyan University in Connecticut. Im Anschluss ging er als Artist in Residence von Studio UNI, einer freien Schule für Film und Kunst, nach Shenzhen, China, um dann nach Los Angeles zu ziehen. „Ich bin im ländlichen Südwesten aufgewachsen, in einer Stadt, die für Kartoffelanbau und UFO-Sichtungen bekannt ist“, sagt Sellman. „Die Geschichten meiner Jugend waren die Mythen, Legenden und seltsamen Ereignisse einer entlegenen kleinen Farmer-Stadt. Ich wandte mich dem Film zu, um diese Geschichten einem breiteren Publikum nahezubringen. Als ich nach L.A. zog, war ich sofort von der Aura der Marken beeindruckt, die die Stadt umgibt. Es gibt kaum eine leere Fläche. In meinem Film erkunde ich eine Traumlandschaft, die vollständig aus Branding besteht. Ich bin ein richtiger Sci-Fi-Nerd, daher denke ich gerne über die Grenzen des Möglichen nach. Meine Träume schwanken zwischen ganz alltäglichen Dingen und super riskanten Sachen, wie dem Kampf mit Superschurken, um die Welt zu retten. Mein Traum in der realen Welt ist es, so viele Abenteuer wie möglich zu bestehen. Und mit meinen Filmen meinen Lebensunterhalt zu verdienen.“






Silvia Lara, Beauty Never Lost

Die Filmemacherin Silvia Lara, 31, wurde in Chihuahua, Mexiko, geboren und wuchs in Mexiko und Whittier, einer Stadt bei Los Angeles, die an Orange County grenzt, auf. Das filmische Erzählen ist Laras Stärke. In ihrer Arbeit versucht sie, den Fluss von Emotionen und Stimmungen einer Geschichte visuell so umzusetzen, dass eine möglichst authentische Darstellung der Conditio Humana entsteht. „Ich habe als Autorin und Fotografin begonnen, aber ich habe immer gehofft, eines Tages meine Ideen auf der Leinwand zu sehen. Schließlich entdeckte ich, dass ich schon immer ein Geschichtenerzählerin war: Das ist meine Sprache. Dass ich mit dem, was ich liebe, meinen Lebensunterhalt verdienen kann, ist ein großer Antrieb für mich. Ich bin Immigrantin und möchte dafür sorgen, dass sich die Opfer meiner Eltern für uns alle gelohnt haben. In meinem Film zeige ich meine Stadt Whittier so, wie sie es meiner Meinung nach verdient, gesehen zu werden. Mir wurde erst klar, wie besonders sie ist, als ich nach New York zog und dann zurückkehrte. Der Kontrast ließ mich Aspekte dieses Vorortes am Rande von L.A. ganz anders wahrnehmen. Hier ist viel mehr los, als man denkt.“






Michelle Jihyon Kim, Crenshaw and West 8th St. and Lights and Camera and Action (and So On)

Michelle Jihyon Kim, 20, stammt aus L.A. Sie ist Filmemacherin und Malerin und studiert derzeit Kunst an der University of California. Mit der Unterstützung der Ghetto Film School konnte sie mehrere Kurzfilme realisieren. Sie gehört zu der Redaktionsleitung der Studentenpublikation GRAPHITE Journal des Hammer Museums. Im Moment arbeitet sie an dem Drehbuch zu ihrem ersten Spielfilm und an einer Serie von Gemälden über das Unheimliche von West Los Angeles. „Die Idee zu meinem Kurzfilm entstand in diesem Prozess, in dem ich versuchte festzustellen, was mich an L.A. wirklich berührt, was für mich signifikant ist. Ich versetzte mich zurück in meine Kindheit, an die Orte, an denen ich aufwuchs, die Autowaschanlage um die Ecke vom Arbeitsplatz meines Vaters, den Schnapsladen in der Passage neben dem Supermarkt. Ich schreibe und drehe gerne Thriller oder Suspense-Filme. Ich seziere zwischenmenschliche Beziehungen und versuche, das Filmemachen als ein Mittel zu nutzen, das Mitgefühl weckt.“






Nabeer Khan, Unconditional

Nabeer Khan, 26, wurde in Manhattan geboren und wuchs in Arizona auf. Während seines Studiums der Psychologie und Neurowissenschaften an der Princeton University leitete er auch eine Tanzkompanie, in der er choreografierte, Licht und Kostüme entwarf und bei den alle zwei Jahre stattfindenden Vorstellungen Regie führte, komödiantische Sketche schrieb und schauspielerte. Nach seinem Umzug nach Los Angeles war er zunächst Assistent von Kanye West, um dann als Produzent und Regisseur von Musikvideos, Kurzfilmen und Markenkampagnen zu arbeiten. „Ich wusste, dass ich meinen Film über die jüngsten Brände in und um Los Angeles machen muss“, sagt Khan. „Ich fragte mich, wie sie wohl ausgebrochen waren. Diese Frage und mein Interesse an Psychologie führten zu meinem Konzept für den Film. Mich interessierte, wie machtvoll Trauer sein kann und wie sie sich in Wut verwandelt. Diese Idee übertrage ich auf unsere Beziehung zur Natur und die andauernde Zerstörung unserer Erde.“






Timothy Offor, Sweet Dreams

Timothy Offor, 33, ist Filmemacher aus Brooklyn, New York. Seine Filme wurden auf zahlreichen Filmfestivals gezeigt, darunter das Blackstar-Filmfestival, das internationale Filmfestival von Houston und die Filmfestspiele in Cannes. Offor machte seinen Abschluss in Medienwissenschaften und Englisch an der Pennsylvania State University. 2016 erhielt er seinen Master in Film- und Fernsehproduktion an der School of Cinematic Arts der University of Southern California. Sein Diplomfilm Cal & V, für den er das Drehbuch schrieb und Regie führte, lief auf über 20 Festivals in den ganzen USA. Offor sagt, zum ersten Mal habe er in Spike Lees Jungle Fever Charaktere gesehen, die er aus seinem eigenen Leben kannte. Seitdem habe er davon geträumt, seine eigenen Stories mit der Welt zu teilen. „Die Idee zu meinem Film entstand während einer Debatte mit einem Freund über Angst. Wir diskutierten darüber, ob die Leute wohl eher vor dem Erfolg oder dem Scheitern Angst hätten. Darauf baute ich dann ein Konzept auf, das um Träume kreist, um Angst und unseren Willen oder Unwillen, sie zu überwinden.“






Toryn Seabrooks, A Hollywood Party

Toryn Seabrooks, 26, ist Regisseurin, Drehbuchautorin, Produzentin und Gründerin der Content-Agentur NovaRay Entertainment. Sie machte ihren Bachelor an der NYU Tisch School of Film and Television und wurde mit dem Tisch Dean's Scholars Award ausgezeichnet. Heute betreut sie Skripts bei Keeping Up with the Kardashians und zeichnet den Alltag der Hit-Familie auf der ganzen Welt auf. Ihre Arbeit in Hollywood hat auch ihren Beitrag zum Award geprägt: „Ich liebe Comedy. Für mich gibt es nichts Komischeres als eine unangenehme Situation. Wenn man versucht, jemanden zu beeindrucken, tut man Dinge, die gar nicht zur eigenen Rolle passen, und findet sich plötzlich mitten in den peinlichsten Situationen wieder. Ich wollte diese Geschichte erzählen, um eine abgründige Wahrheit zu vermitteln, die ich über die Götzenanbetung in Hollywood gelernt habe, um zu zeigen, was wir bereit sind zu tun, um von den Leuten, die wir verehren, akzeptiert und gesehen zu werden.“






Nicole L. Thompson, Between the Pages

Nicole L. Thompson, 27, ist eine Filmemacherin aus Newark, New Jersey. Sie erhielt ihren B.A. am College of New Jersey und hat auch an der Northumbria University in Großbritannien Film und Regie studiert. Vor kurzem hat sie an der University of Southern California einen Master in Film- und Fernsehproduktion abgeschlossen, wo sie zwei Jahre lang als Präsidentin der African American Cinema Society tätig war. Der NBA-Allstar Kyrie Irving stellte Thompson als seine persönliche Kamerafrau ein. Thompson wurde aus Hunderten von Regie-Bewerbern ausgewählt, um den Vorständen der Fernsehgesellschaft ABC ein Projekt vorzuschlagen, das als Top-10-Finalist der Ideas United ABC Women's Initiative ausgezeichnet wurde. „Die Idee zu meinem Film kam mir, als ich in der Bahn durch die Stadt fuhr und all diese Leute sah, die in ihr Handy vertieft waren“, sagt Thompson. „Ich entschloss mich, die Geschichte eines Jungen zu erzählen, der gezwungen ist, zu seinen Großeltern nach L.A. zu ziehen. Er fleht seine Mutter an, ihn nicht dort zu lassen, aber sie muss beruflich verreisen. Zurückgelassen ohne Freunde, Wi-Fi oder Games, durchstöbert er das Haus, findet ein magisches Buch und erlebt ein Abenteuer, bei dem er durch verschiedene Dimensionen reist.“




Schauen Sie sich die Filme hier an!




Deutsche Bank Frieze Los Angeles Film Award
Frieze Los Angeles

14. – 16. Februar 2020
Paramount Pictures Studios, Hollywood