In dieser Ausgabe:
>> Hanne Darboven "Hommage a Picasso"
>> Hara Museum: Tokyo Blossoms / Max Beckmann & David Smith: Sponsored by DB

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Tokyo Blossoms
Die Sammlung Deutsche Bank im Hara Museum



Es war ein überragender Erfolg. Bei "25", der Jubiläumsschau der Sammlung Deutsche Bank, zählte die Deutsche Guggenheim in Berlin mehr Besucher als je zuvor. Jetzt macht die Ausstellung mit einem völlig neuen Konzept im Hara Museum Station. Und wie in Berlin gehen auch in Tokio die Kunst und das visionäre Ausstellungsdesign von Zaha Hadid eine unverwechselbare Symbiose ein. Achim Drucks über "Tokyo Blossoms" - die Präsentation der Sammlung Deutsche Bank in Japans renommiertestem Museum für Gegenwartskunst.



Georg Baselitz, Ohne Titel, 1998,
Sammlung Deutsche Bank

Sanft bewegt der Wind bei der Eröffnung von Tokyo Blossoms die riesigen Blüten im nächtlichen Garten des Hara Museums. Inspiriert vom japanischen Kirschblütenfest Hanami, bei dem die Japaner den Höhepunkt des Frühlings mit Picknicks und Partys unter Kirschbäumen feiern, hat Zaha Hadid diese futuristisch-floralen Skulpturen geschaffen. Auf ihre weißen Oberflächen fallen die Schatten der zahlreichen Gäste, die sich auf den Weg in das renommierteste japanische Museum für Gegenwartskunst gemacht haben, um dort die Eröffnung der zweiten Station der Jubiläumsschau der Sammlung Deutsche Bank zu erleben. Es ist ein stimmungsvolles Bild: die geschwungenen Formen der Hadid'schen Blüten glänzen in dem Licht, das aus den Fenstern des hell erleuchteten Ausstellungshauses fällt, während sich die anderen Skulpturen im Garten des Museums schemenhaft im Dunkel der Nacht verlieren.



Andreas Gursky, Atlanta, 1996, Sammlung Deutsche Bank

Die größte, vier Meter hohe Tokyo Blossom liefert einen imposanten Hintergrund für die Eröffnungsreden. Ariane Grigoteit, Direktorin der Deutsche Bank Art, betont, wie spannend für sie die Vorbereitungen für das Projekt waren: "Es war für uns eine faszinierende Erfahrung, die Kunst der Bank aus einem anderen Blickwinkel neu zu entdecken. Dank der kuratorischen Patenschaft des Museums ist eine ganz eigenständige Schau entstanden, die die Sammlung Deutsche Bank als internationale, auf junge, aktuelle Positionen ausgerichtete Corporate Collection reflektiert". Toshio Hara, Gründer, Mäzen und Direktor des Hauses, zieht Parallelen zwischen dem Museum und der Sammlung Deutsche Bank. Beide Institutionen wurden 1979 gegründet und für beide fördert aktuelle Kunst als Teil einer offenen Gesellschaft das Verständnis der globalisierten Gegenwart.

Nach den Reden folgen die Gäste einem von Hadid entworfenen "Blütenteppich" ins Innere des Museumsgebäudes, wobei sich die Konturen der von der Londoner Stararchitektin entworfenen Skulpturen als Schattenrisse auf dem Boden wieder finden. Die intimen Räume der 1938 im Bauhaus-Stil erbauten ehemaligen Privatvilla der Familie des Museumsgründers bilden einen idealen Rahmen für die von Toshio Hara und seinem Team ausgewählten Arbeiten. Für Tokyo Blossoms haben sich die Kuratoren ganz auf internationale Gegenwartskunst konzentriert - einen Schwerpunkt bilden dabei Werke deutscher Künstler.


Neo Rauch, Stereo, 2001, Sammlung Deutsche Bank




Den doppelbödigen Arbeiten von Tobias Rehberger widmet die Schau einen ganzen Raum. Rote Kreise markieren auf seinen scheinbar ganz harmlosen Gebirgsaquarellen die Stellen, an denen Bergsteiger zu Tode gestürzt sind. Die 1993 entstandene Serie S.M.V. hält Schlachtfelder des Ersten Weltkriegs als idyllische Landschaften fest. Historisch mutet die Szene auf Gerhard Richters Gemälde Kahnfahrt (1965) an, das verschwommene, wie aus der Erinnerung auftauchende Motiv basiert auf einer Fotovorlage. Papierarbeiten von Sigmar Polke und Georg Baselitz bis Rosemarie Trockel und Neo Rauch sowie Fotografien von Fischli und Weiss, Wolfgang Tillmans oder Thomas Ruff lassen im Hara Museum fast ein Panorama deutscher Gegenwartskunst entstehen.



Chris Ofili, Untitled, 2000,
Sammlung Deutsche Bank

Aber auch viele internationale Kunststars sind in Tokio präsent: Kara Walker thematisiert in ihren poetischen und zugleich bösen Scherenschnitten rassistische und sexistische Stereotypen in den USA. Mit seinen Autogrammpostkarten nimmt Richard Prince den amerikanischen Celebrity-Kult ins Visier: ob Cameron Diaz oder Mike Tyson, stereotyp wünschen ihm die Stars All the best. Luc Tuymans in verwischten Grautönen gehaltene Zeichnung Gemecties (1998) wurde wirkungsvoll neben dem ehemaligen Kamin der modernistischen Villa platziert. Die expressiven Kohlezeichnungen von William Kentridge entstanden für seine Installation Black Box, die Ende 2005 im Deutsche Guggenheim zum ersten Mal zu sehen war. Kaleidoskopartig bunte Gewänder und kunstvolle Frisuren - die Personen auf der Aquarell-Serie von Turner-Preisträger Chris Ofili präsentieren sich als afrikanische Ikonen. Die Auswahl der Kuratoren - mehr als 130 Werke von 38 Künstlern - lässt eine Vorliebe für Arbeiten erkennen, die verführerische Schönheit mit einer gewissen Abgründigkeit verbinden.



Alessandro Pessoli, Ohne Titel, Sammlung Deutsche Bank

Obwohl japanische Künstler in der Sammlung zahlreich vertreten sind, beschränkt sich die Ausstellung auf Yutaka Sone, Emiko Kasahara, Atsuko Tanaka und Miwa Yanagi, für deren Videoinstallation Kagome, Kagome Zaha Hadid einen tunnelartigen Raum entworfen hat. Im oberen Geschoss begegnet der Besucher erneut den weißen Blütenskulpturen, mit denen die Star-Architektin die Ausstellungsräume akzentuiert. Und sicher wird sie auch die nächste Station der Schau in Singapur anlässlich der dortigen Biennale wieder in ein spektakuläres Gesamtkunstwerk verwandeln.

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