In dieser Ausgabe:
>> Zwanzig Kapitel: Günther Uecker
>> Nancy Burson in der Deutschen Bank Wall Street

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In den Jahrzehnten danach lotete der Künstler das Potenzial seiner Entdeckung aus und integrierte so diesen dem Alltag entlehnten Gegenstand vollkommen in die Kunst - von Experimenten wie der Geheimnisskulptur (1982), die einmal zu sehen war und anschließend als gewickeltes Objekt ihren Inhalt versteckte, über die mit Nägeln bedeckte kinetische Torkelscheibe (Kapitel 3: Lichträume) und erzählerische Nagelformationen wie Wind oder Feld aus den neunziger Jahren (Kapitel 4: Strukturfelder) bis hin zum Aggressiven Kubus von 1970 (Kapitel 6: Aggressive Reihungen). Dass die Werke in der Ausstellung nicht chronologisch gereiht sind, sondern jeweils nach formalen wie inhaltlichen Kriterien zusammengestellt werden, ermöglicht einen ungewohnten Blick auf Ueckers Arbeit. Er macht deutlich, dass Nägel und Asche, Draht und Holz wichtige Konstanten für einen Künstlers sind, der sein Material nicht wie oft angenommen im chaotischen Schaffensprozess verstreut und vernagelt, sondern nach einer strengen Grammatik ordnet.


Geheimnisskulptur, 1982, © Günther Uecker



Planeten, 1989-2002, © Günther Uecker

Rhythmik, Struktur und nicht zuletzt Schönheit gehören ebenso zu den Erfahrungen, die Ueckers Skulpturen, Installationen, Assemblagen und besonders seine Aquarelle vermitteln, die der Künstler nur selten zeigt und von denen nun 300 Blätter separat im NBK hängen. Vervollständigt wird der Überblick mit dem abschließenden 20. Kapitel in der Neuen Nationalgalerie : Sandmühlen - Zeitspiralen zeigt große Bodenarbeiten mit maschinengetriebenen Gestängen, die immer neue Spuren in den Sand ziehen, um sie anschließend zu löschen.

Ueckers Idee von der unendlichen, abstrakten Leere steht damit am Ende der umfangreichen Schau und schließt einen Kreis, weil sie jedes Mal auch am Beginn seiner Arbeit steht, bevor der Künstler den ersten Strich zieht, den ersten Nagel setzt oder tonnenweise Sand bewegen lässt. Dazwischen zeigt sich eindrucksvoll die ganze Kraft, subtile Wut und ungeheure Disziplin, mit der Günther Uecker sein einzigartiges Werk bis heute fortschreibt.

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