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"Mit dieser Präsentation betreten wir Neuland"
Ein Interview mit Städel-Direktor Max Hollein


Durch die Kooperation mit dem Städel Museum öffnet sich die Sammlung Deutsche Bank jetzt einer noch breiteren Öffentlichkeit. Mit seinem reichen Bestand präsentiert das Frankfurter Museum einen einzigartigen Überblick über 700 Jahre europäische Kunstgeschichte. Max Hollein, Direktor des Städel Museums, über den spektakulären Auftritt der Gegenwartskunst in den neuen Gartenhallen und die Partnerschaft mit der Deutschen Bank.


Nach fast dreijähriger Modernisierung präsentiert das Städel Museum seine Sammlung in neuem Glanz. Mit dem unterirdischen Erweiterungsbau beginnt eine neue Ära in der Geschichte des Hauses: Unter rund 200 in den Rasen des Museumsgartens eingelassenen Oberlichtern erstreckt sich eine 3.000 Quadratmeter große, mit Tageslicht durchflutete Ausstellungshalle für zeitgenössische Kunst. Hier kann man auch ausgewählte Meisterwerke aus der Sammlung Deutsche Bank erleben. 2008 vereinbarten die Deutsche Bank und das Städel die dauerhafte Übergabe eines bedeutenden Konvoluts aus ihrer Sammlung an das Museum – 60 Gemälde und Skulpturen, 161 Originale auf Papier und 379 Druckgrafiken. Diese Dauerleihgabe markiert den Höhepunkt der traditionell engen Partnerschaft zwischen beiden Häusern. Mit der maßgeschneiderten Auswahl wird der Bestand des Städel Museums vor allem im Bereich der deutschen Kunst der 1960er bis 1990er Jahre um wichtige Positionen ergänzt. So sind etwa Georg Baselitz, Anselm Kiefer , Martin Kippenberger, Markus Lüpertz, Sigmar Polke oder Gerhard Richter mit zentralen Gemälden vertreten.

Oliver Koerner von Gustorf: Es gibt nur sehr wenige Museen, in denen man die Geschichte der Kunst vom Mittelalter bis in die Gegenwart auf so hohem Niveau nachvollziehen kann wie im Städel. Was war der grundsätzliche Gedanke bei der Neukonzeption des Hauses?

Max Hollein: Es war für uns ein ganz wichtiges Anliegen, die Präsentation dieser Sammlung und die Geschichte dieses Museums weiter voranzutreiben. Gerade im Bezug auf die Kunst der Gegenwart brauchten wir dabei aber auch Hilfe von außen, um Entwicklungen der letzten Jahrzehnte abbilden zu können. Daraus entstanden die Zusammenarbeit unter anderem mit der Deutschen Bank und die bauliche Umsetzung des Erweiterungsbaus. Grundlegend ist die Idee, dass man in diesem Museum alles auf gleicher Ebene und unter einem Dach erleben kann: Alte Meister, Klassische Moderne und die zeitgenössische Kunst. Durch seinen direkten Zugang über das Hauptfoyer des historischen Museumsgebäudes zeigt dies auch der Neubau der Frankfurter Architekten schneider+schumacher ganz klar. Er ist also kein Appendix, sondern eine ebenbürtige Manifestation. Auch in der Präsentation unserer Sammlung der Gegenwartskunst möchten wir die einzelnen Bereiche gar nicht so radikal trennen. Es gibt immer wieder "Überläufer", Arbeiten also, die sich gleichzeitig verschiedenen Strömungen zuordnen lassen, oder Tendenzen vorwegnehmen. Zu unserer Präsentation der Gegenwartskunst gehören deshalb auch Werke aus den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts. Die Kunstgeschichte ist hier auch ein fortwährendes Kontinuum, gerade in Bezug auf die Entwicklung der Abstraktion und des deutschen Informel, man denke nur an die wegweisenden Werke von Otto Freundlich oder Ernst Wilhelm Nay in den 30er Jahren.

Wie wird die zeitgenössische Kunst in den neuen Gartenhallen präsentiert?

Wir zeigen bei uns im Haus die Kunstgeschichte als Entwicklung über die Jahrhunderte. Das gilt gerade auch für die Gegenwartskunst. Die erste Präsentation wird mehrere Geschichten erzählen. Einerseits geht es um die Entwicklung der Kunst der letzten 50, 60 Jahre, die anhand zentraler Themen wie Abstraktion und Figuration verfolgt wird. Dabei haben diese formalen Aspekte natürlich auch andere, durchaus politische Hintergründe und Konnotationen wenn man etwa an den West-Ost-Dialog in der Nachkriegsmalerei denkt. Andererseits zeigen wir explizit politisch engagierte Positionen und die Entwicklungen, die fast zum Ende der Malerei geführt haben. Das sind natürlich gerade für eine Gemäldegalerie wie das Städel wichtige Schwerpunkte. Die Präsentation ist also nicht linear, sondern eher wie eine Matrix angelegt.

Welche Bedeutung haben die Dauerleihgaben aus der Sammlung Deutsche Bank für die Städel-Sammlung?

Gemeinsam mit der Deutschen Bank haben wir ganz bewusst bestimmte Kernbereiche ausgewählt. Die Arbeiten aus der Bank, die ans Städel gekommen sind, veranschaulichen insbesondere die Entwicklung der Malerei in Deutschland in den späten 60er und in den 70er Jahren. Diese Bilder haben wirklich Lücken in unserer Sammlung geschlossen bzw. bereits vorhandene künstlerische Positionen gestärkt. Sie werden diese Schwerpunkte in der aktuellen Präsentation sehen. Sie erkennen die Spuren der Sammlung Deutsche Bank in der Städel-Sammlung und treffen auf Arbeiten von Künstlern wie Richter, Polke, Kippenberger, Lueg und natürlich auch Baselitz und Kiefer. Diese Arbeiten werden jedoch nicht als separater Komplex gezeigt.

Die Arbeiten aus der Sammlung Deutsche Bank sind also ein integraler Teil der Präsentation.

Ja, genau. Sie sehen, wie diese Sammlungen zusammengewachsen sind. Es war von Anfang an klar, dass wir keine Präsentation wollten, die auf der Provenienz der Arbeiten basiert. Auf der anderen Seite haben wir strategisch mit ganz spezifischen Partnern zusammengearbeitet, um bestimmte Bereiche unserer Sammlung zu ergänzen. Es wird insofern Räume geben, in denen man erkennt, was für die Entwicklung der deutschen Kunst der letzten 50 Jahre wichtig war und das dies insbesondere auch die Sammlungstätigkeit der Deutschen Bank geprägt hat.

Die Architektur der neuen Gartenhallen erinnert an eine Art Marktplatz, um den sich verschiedene White Cubes wie Häuser gruppieren.

Das neue Gebäude von schneider+schumacher ist eigentlich eine riesige Halle, deren gigantisches kuppelförmiges Dach auf nur zwölf Säulen ruht. Wir haben uns entschieden, für die erste Präsentation der Sammlung gemeinsam mit den Architekten Kuehn Malvezzi eine Struktur zu entwickeln, die mit Kontraktion und Expansion von Raum spielt. Es gibt größere Plätze und kleinere "Häuser". Wie der Besucher einer Renaissance-Stadt sind Sie eingeladen, um Ecken zu biegen, sich vielleicht auch etwas in kleinen Gassen zu verlieren, um dann aber immer wieder in eine größerer Platzsituation zurückzufinden. Es ist ein nicht-hierarchischer, nicht-linear geführter Parcours, anders, als man es aus vielen anderen Museen gewohnt ist. Das hat natürlich zur Folge, dass Sie ganz unterschiedliche Wege durch diese Präsentation nehmen können. Nichtsdestotrotz wird man von der großen Treppe entweder nach rechts gehen, wo Sie auf die Entwicklungen, die zur Abstraktion geführt haben, treffen oder nach links, wo es um die figurativen Tendenzen geht. Immer wieder wird dabei aber auch ein Dialog zwischen diesen beiden Strömungen hergestellt. Wir wollen auf keinen Fall eine lineare Geschichte der gesamten Kunst der letzten fünfzig Jahre zeigen, was wir auch, ehrlich gesagt, gar nicht könnten. Ich glaube, es ist auch viel interessanter, ein beweglicheres System zu schaffen, das zugleich sehr klare narrative Strukturen enthält, das ist sicherlich ein besonderes Anliegen unseres Sammlungsleiters für Gegenwartskunst, Martin Engler. Auf der anderen Seite ist es aber auch so, dass der Raum für uns neu ist. Wir betreten mit dieser ersten Präsentation Neuland. In ein, zwei Jahren werden wir dem Publikum eine neue Auswahl aus dieser Sammlung zeigen, in die Werke aus dem Depot, die jetzt nicht gezeigt werden können, integriert werden.

Sind die einzelnen "Häuser" bestimmten Themen gewidmet?

Ja, die Räume widmen sich spezifischen Themen wie etwa der figurativen Darstellung des Menschen. Dort trifft Picasso auf Schönebeck, Baselitz oder Giacometti. Es wird auch Räume geben, die sich mit dem politischen Handeln von Künstlern auseinandersetzen, in West- und Ostdeutschland. Andere spiegeln die Entwicklungen der abstrakten Kunst wieder. Das reicht bis zu einer fast vollständigen Auslöschung nicht nur des Bildinhalts sondern auch des Bildträgers – also die Tendenz, immer wieder zu einer Art Endpunkt der Malerei vorzustoßen. Und dann wird es Sequenzen geben, in denen ähnliche Tendenzen in unterschiedlichen Medien beleuchtet werden, in den Bereichen Malerei, Skulptur und Fotografie. Gerade die Fotografie ist ein Medium, das die Malerei stark beeinflusst hat, aber auch vice versa. So gibt es starke malerische Tendenzen in der aktuellen Fotografie, wenn man etwa an die Freischwimmerarbeiten von Wolfgang Tillmans denkt. Nichtsdestotrotz ist es ein Parcours, der vor allem die beiden wichtigsten Entwicklungsstränge der Malerei der letzten 50 Jahre veranschaulicht – figurative Tendenzen, abstrakte Tendenzen und ihre Wechselbeziehungen.

Der Schwerpunkt dieses ersten Kapitels liegt also auf der Malerei.

Die Sammlung des Städel basiert auf den klassischen Gattungen der Kunst, Malerei, Zeichnung und Plastik. Wir sammeln keine Konzeptkunst, Performance Art, riesige Multimedia-Arbeiten oder Installationen. Es geht vielmehr um die Idee, die Entwicklung von diesen über Jahrhunderten die Kunstgeschichte prägenden künstlerischen Medien fortzuführen. Und dieses Konzept wird das Haus auch weiterhin prägen.

Dabei bewegt sich die aktuelle Gegenwartskunst gerade eher weg vom klassischen Werkbegriff. Gerade von jüngeren Generationen sind immer mehr performative und temporäre Werke, Film und Videoinstallationen zu sehen.

In diesem Sinne sind wir ein konservatives Haus, wobei ich ja als Direktor der Schirn Kunsthalle auch ganz andere Sachen zeige. Hier im Städel unternehmen wir den Versuch, mit der Sammlung Entwicklungslinien aufzuzeigen, die weit zurückreichen. Wenn wir hier Arbeiten von Georg Baselitz oder Gerhard Richter zeigen, werden die Rückbezüge, die ihre Werke prägen, deutlich – beispielsweise die Verbindungen zu deutschen Kunst des 19. Jahrhunderts. Wenn Sie die Arbeiten von Richter in einem Museum für zeitgenössische Kunst zeigen, dann sehen Sie sie als Vorboten einer Entwicklung, die in eine ganz andere Richtung geführt hat und eine junge, konzeptuell arbeitende Malergeneration bis heute prägt. Für uns ist es ganz besonders interessant, die kontinuierliche Entwicklung dieser fast traditionellen Kunstgattungen zu zeigen. Dies ist für das Städel ganz spezifisch. Um uns nicht zu verzetteln, haben wir uns ganz bewusst darauf fokussiert. Es wird keine Künstlerräume geben, keine riesigen Einzelinstallationen. Stattdessen wird hier der Typus der klassischen Gemäldegalerie fortgeführt. Natürlich gibt es viele Kunstwerke, die in eine ganz andere Richtung gehen und unglaublich spannend sind. Da gebe ich Ihnen vollkommen Recht. Aber im Bezug auf unsere Sammlung ist es uns ein Anliegen, diese traditionelleren Gattungen und ihre Validität für heute auf einem sehr hohen Niveau darstellen zu können. Dieses Museum ist der immerwährende Beweis, dass Malerei und Zeichnung nicht tot sind und niemals tot sein werden.




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