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2010 California Biennial

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Kunst als Lebensretter
2010 California Biennial



Eine gute Gelegenheit, die aktuelle Kunstszene der amerikanischen Westküste zu entdecken, bietet die California Biennial. Dieses Jahr thematisieren zahlreiche Projekte aktuelle gesellschaftliche Fragen. Die Schau im Orange County Museum of Art wird erneut von der Deutschen Bank unterstützt.




Fast 150 Künstlerateliers hat Sarah Bancroft besucht, um schließlich 45 Positionen für die aktuelle California Biennial auszuwählen. Der Anspruch der Kuratorin ist hoch, gilt es doch, den Stand der Dinge in Sachen innovativer Westcoast-Kunst zu dokumentieren. Viele der im Orange County Museum of Art präsentierten Künstler sind jung, in ihren Werken verbinden sich unterschiedliche kulturelle Identitäten und Traditionen. Dabei reagieren die Teilnehmer ganz dezidiert auf aktuelle gesellschaftliche Phänomene, etwa die Situation an der Grenze zum benachbarten Mexiko. Für zahlreiche Migranten endet der Traum von einem besseren Leben in den USA auf schreckliche Weise: Sie verdursten in der Wüste des Grenzgebiets. Das Transborder Immigrant Tool (TBT) des Kollektivs Electronic Disturbance Theater/ b.a.n.g. lab soll dies verhindern: Billigen, gebrauchten Handys mit GPS wurde eine neue Software implantiert. Sie weist illegalen Grenzgängern den Weg zu Wasservorräten, die Menschenrechtsaktivisten für sie versteckt haben.

Verglichen mit dem TBT könnten die Gemälde von Taravat Talepasand auf dem ersten Blick etwas konventionell wirken. Doch die aus dem Iran stammende Künstlerin verbindet altpersische Miniaturmalerei in aufwendiger Eitempera-Technik mit brisanten Themen. So setzt sich Censored Garden (2008) mit Sexualität und Zensur auseinander: Inmitten dekorativ rankender, bunter Blumen steht eine von einem Tschador verhüllte Frau. Doch das schwarze Gewand bedeckt sie nicht völlig - ihr Oberkörper ist unbekleidet. Allerdings sind die nackten Partien nur schemenhaft zu erkennen, denn Talepasand verbirgt die Details hinter hautfarbenen Quadraten, die an vergrößerte Pixel erinnern. Diese Methode der Darstellung wirkt ambivalent: Einerseits bieten Pixel Schutz vor neugierigen Blicken, andererseits wirkt das Bild wie eine Aufforderung, genauer hinzuschauen und das versteckte Motiv zu dechiffrieren.

Ob Tino Sehgal in der Rotunde des New Yorker Guggenheim Museums seine "Situationen" inszeniert oder Marina Abramovic im MoMA über 700 Stunden auf einem Holzstuhl sitzt - performative Arbeiten, die den Zuschauer ganz unmittelbar einbeziehen, erleben momentan ein Come back. Auch auf der California Biennale. So organisieren hier die Los Angeles Urban Rangers Erkundungstouren in die Umgebung des Orange County Museum of Art. Das in spezielle Khaki-Uniformen gekleidete Kollektiv aus Künstlern, Schriftstellern und Geografen beschäftigt sich mit den unterschiedlichsten, meist urbanen "Biotopen" - vom Hollywood Boulevard bis zum öffentlichen Strand von Malibu. Auch David Wilson fordert die Biennale-Besucher auf, sich zu Fuß in reale Sphären zu begeben. Er hat eine Karte entworfen, die sie zu Orten führt, an denen die für viele kalifornische Communities typische Mischung aus vom Autoverkehr geprägter Vorstadt und Gewerbegebiet besonders deutlich manifestiert. Und während Agitprop die Museumsbesucher interviewt, wird Flora Wiegmann, die an der Schnittstelle zwischen Tanz und Kunst arbeitet, im Laufe der Biennale 13 Performances realisieren.

Auch Fans von Malerei und Fotografie können bei der California Biennial spannende Entdeckungen machen. Die abstrakten Kompositionen von Patrick Wilson scheinen Hard Edge und Color Field Painting ins 21. Jahrhundert zu transportieren. Seine präzise abgezirkelten Linien und Flächen zeugen von einer immensen Sensibilität für die Wirkung von Farben, Formen und Texturen. "Wenn Donald Judd Regenbögen designt hätte, könnten sie so aussehen", so die L.A. Times. In klassischem Schwarz-Weiß sind dagegen die Fotoarbeiten von Dru Donovan gehalten. Sie inszeniert ihre jugendlichen Protagonisten in Szenen, die sich nie völlig entschlüsseln lassen. Die zahlreichen Studiobesuche von Sarah Bancroft haben sich gelohnt. Auch in ihrer aktuellen Ausgabe stellt die California Biennial eine vitale Szene vor, die so vielleicht nur in der von Vielfalt geprägten Kultur Kaliforniens entstehen kann.
A.D.

2010 California Biennial
Orange County Museum of Art, Newport Beach
24.10.2010 - 13.03.2011




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