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Erinnerungen an die Zukunft
Das Programm der Otolith Group für Globe


Die Filme, Ausstellungsprojekte, Talks und Publikationen von The Otolith Group setzen sich mit gescheiterten Utopien und gesellschaftlichen Visionen der Moderne auseinander. Dabei liebt es das 2002 gegründete britische Künstlerkollektiv an der Grenze zwischen Fakt und Fiktion zu agieren. 2010 waren sie für den Turner Prize nominiert. Für "Globe" hat The Otolith Group ein spezielles Programm zusammengestellt, das gesungene Aktienkurse, eine Hommage an HP Lovecraft und als musikalisches Highlight einen der raren Auftritte der Techno-Formation Dopplereffekt beinhaltet. Ossian Ward hat nachgefragt.


Das Londoner Künstlerkollektiv The Otolith Group, dessen harter Kern aus den beiden Filmemachern Anjalika Sagar und Kodwo Eshun besteht, verdankt seinen Namen den Otolithen - den "Steinchen" in unserem Innenohr, die dafür sorgen, dass unser Körper mit der Erdanziehungskraft zu Recht kommt. In ihrer Arbeit scheint die Gruppe die Erde allerdings oft weit hinter sich zu lassen. Sie betrachten sie aus weiter Ferne - in der Manier von Anthropologen oder Geschichtsforschern aus einem anderen Sonnensystem oder aus der Zukunft. Deutlich wird dies auch in ihrer gerade fertig gestellten Otolith-Triologie - drei Science-Fiction-Filmen, die erstmals alle zusammen im Rahmen ihrer Ausstellung zum Turner Prize 2010 in der Tate Britain zu sehen waren.

Redet man mit Kodwo Eshun über die drei Tage, in denen The Otolith Group Globe. For Frankfurt and the World in Beschlag nehmen werden, ist schnell klar, dass dieses Event mit all den Filmen, Konzerten und Performances dem sowieso schon multidisziplinären Ansatz der Gruppe sehr entgegenkommt. So geht der Titel ihres Programms, A Sunken Trembling, Recalled Dimly, auf ihre Retrospektive Thoughtform zurück, die noch bis zum 29. Mai 2011 im MACBA in Barcelona zu sehen ist. In der Ausstellung taucht er als fiktiver Titel einer ganz realen Zeichnung von Anjalika Sagars Vater auf. Ihr Vater war auch am letzten Teil der Film-Trilogie beteiligt. In Otolith III sieht man ihn, wie er im Jahr 2015 einen Alien zeichnet. "Im Film taucht dieser Moment am Ende auf und dauert 90 Sekunden. Wir wollten sehen, was passiert, wenn man diesen Moment weiter ausdehnt", erläutert Eshun und lässt dabei durchblicken, wie wandlungsfähig und immer weiter fortführbar die Arbeit der Gruppe ist. "So ist das ganze Projekt für Frankfurt ein Weg, die unterschiedlichen Ebenen und Recherchestränge unseres Werks zusammenzubringen, bevor wir im April mit einem neuen Zyklus von Filmen beginnen."

Ihre drei Tage für Globe sind jeweils einem bestimmten Thema gewidmet. Das hilft dem Duo dabei, sich intensiver mit spezifischen Fragen und Problemen auseinandersetzen, bevor sie in die nächste Phase ihrer künstlerischen Produktion einsteigen. "Wir verstehen uns dabei überhaupt nicht als Zeremonienmeister. Uns geht es eher um eine alternative Form von Pädagogik, bei der wir von Künstlern lernen, deren Werk wir bewundern und die wir besser verstehen möchten. Unsere Filme dienen dabei nie zur Illustration unserer Recherchen, aber ohne diese Vorarbeiten könnten wir sie nicht realisieren. Ebenso wichtig ist es für uns, zumindest einen Teil des Arbeitsprozesses vorher dem Publikum vorzustellen."

Der erste Tag von A Sunken Trembling, Recalled Dimly dreht sich um die Frage, in welcher Form man ein Phänomen wie die Finanzwelt angemessen und ästhetisch abbilden kann. Dieses Thema ist natürlich eine Reaktion auf die Location, in der Globe stattfindet - der Hauptsitz der Deutschen Bank in den Frankfurter Doppeltürmen. "Andererseits", so Eshun, "betrachten wir es als Möglichkeit, den Markt sichtbar, hörbar und sinnlich wahrnehmbar zu machen. Wir alle wissen, was die individuellen Folgen der Finanzkrise sind, aber können wir das komplexe System dahinter begreifen?" So ist am Mittwoch, den 16. März, der Film NASDAQ Vocal Index des schwedischen Künstlers Ola Pehrson zu sehen. "Er hat eine Software entwickelt, die die Kurve der steigenden und fallenden Aktienkurse in Noten umwandelt, die dann von einem Chor gesungen werden können." Darauf folgt eine Diskussion mit der dänischen Künstlerin Lisa Autogena, die mit Black Shoals Stock Market Planetarium eine ähnlich gelagerte Arbeit realisiert hat: Aktien von multinationalen Unternehmen erscheinen darin als funkelnde Sterne am nächtlichen Himmel. Sie bewegen sich und flackern - je nach dem, wie die Kurse des jeweiligen Unternehmens im Augenblick an der Börse gehandelt werden.

Der zweite Tag ist einem der drängendsten Themen gewidmet, mit dem sich die Gruppe gerade beschäftigt - der Hydropolitik. "Die Bedeutung der Ozeane für die Globalisierung wird häufig unterschätzt oder ignoriert, aber die Globalisierung basiert eben auch auf den Möglichkeiten, die heute Frachthäfen und Containerschiffe bieten." Ihr jüngster Film, Hydra Decapita, erlebt am Donnerstag seine Deutschlandpremiere. Die komplexe, 33-minütige Arbeit ist mit den elektronischen Klängen des Detroiter Techno-Projekts Drexciya unterlegt. Ein Mitglied der Formation, die sich mittlerweile aufgelöst hat, wird unter dem Namen Dopplereffekt am Freitag für den musikalischen Schlusspunkt des Otolith-Programms für Globe sorgen. In den Auftritten von Dopplereffekt verschmelzen Anklänge an die Ästhetik vergangener totalitärer Systeme, Technikbegeisterung und Fortschrittsgläubigkeit zu einem widersprüchlichen und mitunter ironischen Mix. Musikalisch schreiben Dopplereffekt die Geschichte von Detroit-Techno fort, ihre seltenen Liveauftritte sind legendär. Die Soundlandschaften von Drexciya sind von einer fiktiven Unterwasserspezies inspiriert - Nachkommen der Sklaven, die auf dem Transport nach Amerika, der berüchtigten Middle Passage, ums Leben kamen, und jetzt als "Mutanten" in den Tiefen des Ozeans hausen. Die Musik bildet den Ausgangspunkt von Hydra Decapita. "Wir haben die Szenen in den Höhlen an der Küste von Cornwall und auf hoher See gedreht und sie mit Turners umstrittenen, 1840 entstandenen Gemälde Slavers Throwing Overboard the Dead and Dying - Typhoon Coming on in Verbindung gebracht. Der Kunsthistoriker John Ruskin hat Turners Bild im 14. Kapitel seines Werks Modern Painters verteidigt. Drei Absätze aus diesem Text wurden von Anjalika als "Songover" anstatt eines "Voiceover" für Hydra Decapita eingesungen."

Am Donnerstag steht auch Werner Herzogs Lessons of Darkness (1992) auf dem Programm. Der Film schildert den Ersten Golfkrieg in bedrohlichen, überwältigenden Aufnahmen von brennenden Ölfeldern und Wüstenlandschaften, die von schwarzen Rauchwolken verschluckt werden. "Es gibt viele Dokumentationen, die sich mit dieser Krise und dem Krieg in dieser Zeit beschäftigt haben, doch Herzogs Film nimmt eine fast außerirdische Perspektive ein. Wir sind immer an dem Science-Fiction-Aspekt der Gegenwart interessiert und auf der Suche nach anderen Sichtweisen auf diese großen politischen Themen."
v Der letzte Tag ist dem Medium Audio-Essay gewidmet. In diesem Rahmen ist auch die neue, 22-minütige Otolith-Arbeit The Secret King in the Empire of Thinking zu hören, die von dem einflussreichen Comic-Zeichner Jack Kirby und dem amerikanischen Horrorschriftsteller HP Lovecraft beeinflusst ist. "Im Gegensatz zu Deutschland mit seinen Hörspielen stirbt dieses Medium in England aus. Für uns ist es allerdings eine wichtige Erweiterung unserer Arbeit mit dem Format des Essay-Films."

Die Liste der Gelehrten, Philosophen, Künstler, Musiker und Denker, die für Globe eingeladen wurden oder auf die sich das Otolith-Programm bezieht, könnte auf die Teilnehmer fast einschüchternd wirken - aber vielleicht auch nicht einschüchternder als auf die Gruppe selbst, der es ja ebenfalls darum geht, etwas Neues zu erfahren. Deren einzige Vorgabe ist die Konzeption des Programms. "Wir machen keinen Unterschied zwischen künstlerischer Arbeit und unseren Tätigkeiten als Kuratoren und Kritiker. Für uns existiert keine Hierarchie zwischen diesen drei Feldern, sondern sie sind uns alle gleich wichtig. So haben wir die Freiheit zwischen allen drei Bereichen zu arbeiten." Die Trilogie geht weiter…

Globe. For Frankfurt and the World
Art, Music & Performance in den Deutsche Bank-Türmen


16 - 18. März 2011
The Otolith Group
A Sunken Trembling, Recalled Dimly


16.03. Mittwoch
18:00 - 18:30 Nasdaq Vocal Index | Film
18:30 - 19:00 Samuel Stevens, Atlantropa | Film
19:00 - 20:00 Peter Hutton, At Sea | Film
20:00 - 21:00 Lise Autogena & The Otolith Group, Abstraction and System in an Age of Recessional Aesthetics | Talk

17.03. Donnerstag
18:00 - 18:20 Brian W. Rogers, Nilofar Naraghi, Nazanin Naraghi, Ab va Garma | Film
18:30 - 19:00 The Otolith Group, Hydra Decapita | Film
19:00 - 20:00 The Otolith Group & Brian W. Rogers, Geoaesthetics, Terracentricity, Hydropolitics and Petropolitics | Talk
20:00 - 21:00 Werner Herzog, Lessons of Darkness | Film

18.03. Freitag
18:00 - 18:30 The Otolith Group, The Secret King in the Empire of Thinking | Audio-essay
18:30 - 19:20 Mark Fisher, Radar Traces | Audio-essay
19:30 - 20:00 Mark Fisher & Justin Barton, LondonunderLondon | Audio-essay
21:00 - 22:00 Raya Baddran, Mark Fisher, Justin Barton & The Otolith Group, Radiophonic Terrains | Talk
22:30 - 23:30 Dopplereffekt | Music




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