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Wenn Fans zu Kritikern werden:
Die kontroverse Welt der Kunstblogs


Keine Lust mehr auf das unverständliche Kunst Bla-Bla in Rezensionen und auf Vernissagen? Wollen Sie wirklich wissen, ob eine Ausstellung etwas taugt? Wünschen Sie sich jemanden, der Ihnen ungeschönt und ganz subjektiv mitteilt, was er von Künstlern und Werken hält? Dann sind Sie reif für das schier unendliche Universum der Kunstblogs. Achim Drucks hat einen Reiseführer für Neueinsteiger zusammengestellt.


Das Kunstwerk mit dem exzessivsten Toast-Verbrauch oder der besten Verwendung von Kakteen - in solche Kategorien packt Art Fag City die Arbeiten auf der aktuellen Art Basel. C-Monster, ein anderer populärer Kunstblog, hat sich die Venedig-Biennale vorgeknüpft: Seine Korrespondentin San Suzie - angeblich eine in Karl-Marx-Stadt geborene Ex-Ballerina, die einst mit dem kubanischen Staatsballett Triumphe feierte - vergibt ihre ganz speziellen Auszeichnungen: Der Mussolini Award geht an John Baldessari für seine Leistung "mit hervorragender Architektur auf die uninteressanteste Weise umzugehen". Den Union Carbide™ Memorial Award for Most Toxic erhält Huang Yong Pings Installation Hands of the Buddha wegen ihrer betäubenden chemischen Ausdünstungen.

Willkommen in der Blogosphäre. Willkommen im Reich der radikalen Subjektivität, wo jeder die Möglichkeit hat, seine ganz privaten Meinungen, Urteile und Passionen mit der Welt zu teilen. Seitdem der Web-Designer Peter Merholz 1999 den Begriff Blog für Online-Tagebücher geprägt hat, ist ihre Zahl explodiert - auf rund 110 Millionen weltweit. Und auch die Zahl der Sites zum Thema Kunst ist unüberschaubar. Allein C-Monster listet rund 400. Bei diesem harten Konkurrenzkampf um Aufmerksamkeit muss man entweder sehr gut informiert und aktuell sein oder kontrovers und pointiert schreiben, um seine Fans auf Dauer zu begeistern. Art Fag City oder C-Monster setzen hierbei auf Respektlosigkeit gegenüber den heiligen Kühen der Kunstszene. Dem abgehobenen Art Talk elitärer Kritiker begegnen sie mit Witz und Ironie. Paddy Johnson, die New Yorkerin hinter Art Fag City - laut Selbsteinschätzung "So relevant wie Eric Fischl" - hat es dank ihrer unprätentiösen Berichte nicht nur in das Wall Street Journal geschafft. Vor kurzem wurde sie für ihre Kritiken auch mit einem Stipendium der Warhol Foundation ausgezeichnet. Vor ihrer Karriere als Bloggerin hat Carolina A. Miranda von C-Monster für Time berichtet. Außerdem hat sie für den Lifestyle-Blog der New York Times, The Moment, geschrieben.

Blogs haben für frischen Wind in Sachen Kunstkritik gesorgt. Peter Plagens spricht in dem Magazin Art in America von einer "Basis-Bewegung". Im Interview mit dem Künstler und Kritiker erklärt Regina Hackett von Art to Go, dass "Blogs eine Alternative zu den etablierten Machtstrukturen in der Kunstkritik bieten". Und die Motivation vieler Blogger bringt Tyler Green (Modern Art Notes) so auf den Punkt: "Das, was wir lesen möchten, ist nirgendwo zu finden, also schreiben wir es selbst." Die "Amateure" im Netz haben allerdings nicht nur Freunde unter den professionellen Schreibern. Das Do-it-yourself-Prinzip, mit dem schon Punk die Musikindustrie kräftig durchgerüttelt hat, wird nicht von jedem geschätzt. Charlie Finch von Artnet, bekannt für seine bissigen Kommentare, hält Blogs für ebenso überflüssig wie überschätzt. Sie seien "konformistisch, reaktionär, redundant und selbst-referenziell". "Sie beziehen sich alle aufeinander und sind miteinander verlinkt, denn ihr Hauptpublikum, das sind sie selbst." Dagegen betont die Kunstkritikerin der Village Voice, Martha Schwendener, die positiven Aspekte des Bloggens. Ihr gefällt das "Laissez-Faire-Klima": "Kunst-Blogs haben ein neues, meist nicht redigiertes, bewundernswert "unprofessionelles" - also demokratisches - Forum für Menschen geschaffen, die ihre Meinungen zu Kunstthemen äußern möchten."

New York ist eine der zentralen Adressen in der Blogosphäre. Natürlich decken die Websites besonders die junge Szene ab. So berichtet Artcat vor allem über alternative Kunsträume und Events wie die erste Bushwick Biennial in Brooklyn: "artist-run, no-profit, performative and rad!" - so sehen die Projekte aus, für die sich die Macher von Artcat begeistern. John Habers New.York.Art.Crit ist einer der ältesten Kunstblogs. Unermüdlich notiert Haber seit 1994 seine Gedanken zu Künstlern und Ausstellungen in New York. Dabei ist mittlerweile ein riesiges, informatives Archiv entstanden. Vom beigen Raufaser-Design der Seite sollte man sich nicht abschrecken lassen. The Cool Hunter liefert den kompletten Gegenentwurf: Statt auf Bleiwüsten setzt man hier auf poppig bunte Bilder und kurze Artikel. 2007 und 2008 bei den Weblog Awards als bester Kulturblog ausgezeichnet, berichtet The Cool Hunter über Design, Architektur und Kunst rund um den Globus. In der Rubrik Kunst konzentriert man sich allerdings allzu oft auf knalliges Grafik-Design. Intellektuell weitaus fordernder erscheint Rhizome, eine dem New Museum angegliederte Plattform für Projekte an der Schnittstelle zwischen Kunst und neuen Technologien.

Dem demokratischen, alternativen Geist der Blog-Kultur kommt ein Phänomen wie Street Art natürlich sehr entgegen. Schnell können die oft ephemeren Projekte im öffentlichen Raum per Fotostrecke oder Video der globalen Fangemeinde zugänglich gemacht werden. Seit 2001 berichtet das Wooster Collective, das sich nach einer Straße im New Yorker Stadtteil Soho genannt hat, über Street Art weltweit - von Wandbildern an Abbruchhausfassaden in Valencia bis zur Banksy-Schau im Bristol Museum. Wesentlich politischer präsentiert sich die Hamburger Seite Rebel Art, die in einem Netzwerk für "Street Artists & Street Vandalen, notorische Nervensägen & subversive Störenfriede" Künstler und Aktivisten miteinander verbinden möchte. Ähnliche Ambitionen hat auch der Berliner Blog Just Street Art. Der populärste Blogger der deutschen Hauptstadt ist allerding Kunstkontakter Konstantin Schneider. Was bei Beuys der Filzhut war, ist bei ihm der Bauhelm mit der kleinen Digitalkamera. Schneider fehlt auf keiner wichtigen Ausstellung und präsentiert seine Bilder und Interviews im Netz.

Der Erfolg einiger unabhängiger Blogs hat auch etablierte Medien dazu gebracht, auf ihren Websites Blogs einzurichten. Was "echte" Blogger natürlich misstrauisch beäugen. Journalisten nutzen das Format, um schneller und oft auch persönlicher als in den Printausgaben über die Künstler, Ausstellungen oder Phänomene zu berichten, die sie gerade beschäftigen. Im Blog des englischen Frieze Magazin steht gerade die Venedig Biennale im Zentrum der Aufmerksamkeit. So berichtet Jörg Heiser, warum ihn Tobias Rehbergers mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnetes Café nicht völlig überzeugt hat. Er fühle sich dort wie "in einem Jugendkulturzentrum, das ein überambitionierter Skateboarder dekoriert hat".

Auch der Blog der Art Review lohnt einen Besuch. Neben Berichten über die Britische und US-amerikanische Szene geht es - mit einer guten Dosis lakonischen Humors - um brennende Fragen wie "Wen kümmert es eigentlich, was David Hockney mit seinem iPhone macht?" Die Website des Magazins versteht sich zudem als Plattform für Diskurse, Austausch und Debatten. Künstler, Galeristen, Sammler, Kritiker, Kuratoren und Kunstinteressierte können Mitglieder werden und eigene Diskussionsforen eröffnen. Und auch die Texte zur Kunst führen jetzt ihre Diskurse im Netz weiter: in Kofferleben schreibt der Künstler und Autor Gunter (Gunnar) Reski über aktuelle Ausstellungen und attestiert angesichts der Arbeiten von Imi Knoebel, Karl Georg Pfahler oder Sergej Jensen in Berliner Ausstellungshäusern eine "latente Sehnsucht der Abstraktion in Richtung Verkehrsschild". Herausgeberin Isabelle Graw dagegen widmet sich in ihrer Kolumne Reiche Römer auf intelligente Weise vor allem dem, was man gemeinhin Lifestyle nennt.

Wer wissen möchte, was die Mover und Shaker der internationalen Kunstcommunity gerade machen, sollte regelmäßig das Art Forum Diary konsultieren: egal ob Jeffrey Deitch und Brad Pitt auf der Art Basel oder Miuccia Prada und Cindy Sherman auf der Biennale unterwegs waren - sie alle lächeln für Art Forum freundlich in die Kamera. Apropos Stars und Glamour: Wer sich mit unzähligen Blogs dann endlich in Sachen Kunstdiskurs auf den neuesten Stand gebracht hat, darf sich danach zur Belohnung auch einmal verbotene Früchte gönnen - die persönliche Webseite einer prominenten Kunstfreundin, die regelmäßig auf großen Messen wie der Londoner Frieze gesichtet wird: Auf ihrer Seite Goop sammelt Gwyneth Paltrow Ratschläge und Lebenshilfen berühmter Freunde. Unter dem Motto Nourish the inner aspect gibt es hier nicht nur Pasta-Rezepte von Giancarlo Giammetti, dem Partner von Modemacher Valentino, oder DVD-Tipps von Steven Spielberg. In der Rubrik Be findet man auch ganz konkrete Lebenshilfe in Sachen Kindererziehung oder erfährt, was ein Lästermaul so alles anrichten kann. Art Fag Paddy Johnson oder C-Monster Carolina A. Miranda hatten an den hochmoralischen Ausführungen zum Thema Klatsch und üble Nachrede sicherlich ihr Vergnügen.




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