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"Die Sicherheit des puren Vierecks"
Karola Krauss über Imi Knoebel


Ab Mai präsentiert das Deutsche Guggenheim mit Imi Knoebel einen der wichtigsten Protagonisten der deutschen Gegenwartskunst. Die von der Deutschen Bank konzipierte Ausstellung stellt in ihrem ersten Teil zunächst neue Werke vor. Dann folgt ein Rückblick auf Arbeiten, die zwischen 1968 bis 2005 entstanden sind. Rund 200 Collagen, Zeichnungen, Photographien und Druckgraphiken aus der Sammlung Deutsche Bank bieten einen umfassenden Einblick in das Schaffen des Künstlers. Karola Krauss, Direktorin der Kunsthalle Baden-Baden, beschäftigt sich seit Jahren mit Knoebels Werk: 2002 zeigte sie im Kunstverein Braunschweig seine frühen "Linienbilder" und gerade ist der Künstler in der von ihr kuratierten Ausstellung "7x14" vertreten. Oliver Koerner von Gustorf hat sich mit Karola Krauss über Knoebels Lichtprojektionen, seine Freundschaft zu Blinky Palermo und seinen Einfluss auf die junge Szene unterhalten.




Oliver Koerner von Gustorf: Imi Knoebel zählt sicherlich zu den bedeutendsten Schülern von Joseph Beuys, doch seine reduzierten Arbeiten stehen in starkem Gegensatz zu der eher organischen, assoziativen Formensprache seines Lehrers.

Karola Krauss: Die Klasse von Joseph Beuys belegte an der Düsseldorfer Kunstakademie zwei Räume: im Raum 18 wirkten die eher traditionell arbeitenden Maler und Bildhauer und im Raum 19 manifestierten Imi Giese und Imi Knoebel von 1966 bis 1969 ihre IMI-Identität. In dem inzwischen legendären Raum 19 entstanden aus einer sehr puristischen und experimentellen, der Beuysschen Ästhetik in vielem gerade entgegen gesetzten Haltung die minimalistischen Arbeiten von Imi Knoebel. Dort sammelten sich mit Imi Giese, Imi Knoebel, Blinky Palermo und Katharina Sieverding jene Künstler, die - zeitgleich mit den amerikanischen Vertretern der Minimal Art - eine minimalistische, reduzierte oder konzeptuelle Formensprache entwickelten. Beuys stand den minimalistischen Arbeiten seiner Schüler oft sprachlos gegenüber. So kritisierte er beispielsweise Katharina Sieverding, als sie mit dem Medium Fotografie zu arbeiten begann. Obwohl Beuys proklamierte, dass jeder ein Künstler sei und auch viel zuließ, gab es Positionen, die er nicht wirklich verstand. Doch durch die Offenheit, die er vorlebte und die seine Studenten mitbekamen, legte er ein Fundament für Entwicklungen, die ohne ihn an der Akademie vielleicht gar nicht möglich gewesen wären.

Betrachtet man die amerikanischen Vertreter der Minimal Art, fallen einem allerdings große Unterschiede zu Knoebel auf.

Ja. Zwischen 1966 und 1969 arbeitete Knoebel an einer Serie von Linienbildern, die neunzig Tafeln umfasst und die ich 2002 in der Ausstellung Imi gegen groben Schmutz im Kunstverein Braunschweig erstmalig präsentierte. Die Linienbilder sind die Anfänge seines künstlerischen Werdegangs und wurden erstmals auf dem Winterrundgang 1967/68 der Düsseldorfer Akademie gezeigt. Sie zeichnen sich vor allem durch ihre Fremdartigkeit innerhalb des Wirkkreises von Joseph Beuys aus. Knoebel scheint mit seinem Eintritt in die Klasse von Joseph Beuys eine strikte Trennlinie zu den traditionell arbeitenden Künstlern der Akademie gezogen zu haben, obwohl er formal an seine Ausbildung an der Werkkunstschule in Darmstadt anknüpfte. In den Linienbildern bezeichnet Imi Knoebel sich selbst als ein nach dem Anfang Suchenden, der nichts als die Sicherheit des puren Vierecks im rechten Winkel hat. Knoebel nahm sich das Nächstliegende, das Viereck, vor, in welchem er sich auf seinen ersten Eindruck von Kunst berief, das Schwarze Quadrat von Kasimir Malewitsch. Innerhalb dieser Fläche, die zugleich Unerreichbares und Allernormalstes thematisiert, untersuchte er Schwarz und Weiß und die Linie. In Einzelwerken und Serien von Bildern erprobte Knoebel verschiedene Strukturierungen und Teilungen der weißen bzw. schwarzen Bildfläche. Geprägt durch endlose Übungsprozeduren in der Darmstädter Werkkunstschulzeit gelang Knoebel akkuratestes Ziehen von Linien. Es ist eine Fertigkeit, die er aus dieser Zeit mitbrachte und nun in neuer Form untersuchte. Es entstanden Serien von Linien, die parallel in einem für jede Tafel neu festgelegten gleichmäßigen Abstand verlaufen. Von Tafel zu Tafel variiert die Breite des Strichs. Bei immer größer werdenden Abständen nähert sich das Bild dem weißen Rechteck, bei immer engeren dem schwarzen. Zwischen den beiden Polen des homogenen Weiß und des homogenen Schwarz liegen unendliche Abstufungen.
Der malerische Ansatz von Knoebel war pragmatischer als der seiner amerikanischen Kollegen. Bei ihm geht es nie darum Kunst zu produzieren, sondern immer um die Frage, wie es möglich ist, sich gültig einzubringen, Elementares zu machen. Diese Frage steht für Knoebel gleich zu Anfang, noch vor dem eigentlichen Schaffensprozess, und hat seinen Arbeitsverlauf von ganz allein in die Kunst geführt.

Knoebel hat sich ja an der gegenstandslosen Malerei der russischen Avantgarde des beginnenden 20. Jahrhunderts orientiert und vor allem an den Suprematismus von Kasimir Malewitsch angeknüpft.

Der starke Einfluss von Malewitsch wird besonders in Knoebels konsequenter Reduzierung auf Farbe und Form spürbar - fern jeder Abbildfunktion von Kunst. Auf die Farbe kam Knoebel durch und mit Palermo. Die Serie 24 Farben für Blinky, die 1977 kurz nach Palermos frühem Tod entstand, ist seinem Malerfreund gewidmet: Mit Palermo zog er tagelang durch die Farbengeschäfte, um das richtige Grün zu finden. Bis zu diesen Arbeiten entstanden die Linienbilder und Installationen, für die Knoebel rohe, unbearbeitete Sperrholzplatten benutzte. Erst später verwendete er farbig bemalte Platten für seine Installationen, die in enger Beziehung zur Farbfeldmalerei stehen.

In den späten sechziger und frühen siebziger Jahren begann Knoebel mit Lichtprojektionen zu arbeiten, wobei er Licht wie weiße Farbe einsetzte und Lichtformen auf Außen- und Innenräume wie auf eine Leinwand projizierte. Wie bereits bei seinen Linienbildern verfuhr er dabei nach einer strengen seriellen Systematik. Worin liegt für Sie die Beutung dieser Arbeiten?

Bei den Arbeiten, für die er Linien an Wände von Innenräumen projizierte, war es für Knoebel wichtig, dass diese Räume nicht abgedunkelt waren, sondern die Projektion nur beiläufig sichtbar war. Im Rahmen des Projekts Intermedia 1969 in Heidelberg waren die Projektionen beinahe als Performance zu begreifen. Knoebel fuhr mit einer auf ein Wohnmobil fixierten Lichtkanone durch die Stadt und warf eine rechtwinklige Kreuzform, ein X, an Häuserwände, um es dann zu fotografieren. Bei den Projektionen verwendet er die gleichen Formen, verzerrte Quadrate oder Kreuze, die dann in seinem Werk immer wieder auftauchen - etwa auch in 24 Farben für Blinky. Dass er immer wieder auf dieses Thema zurückkam, hat vielleicht auch etwas mit der Ablehnung der Abbildfunktion von Kunst zu tun, mit Malewitschs Credo, dass die Aussagekraft des Bildes allein auf seiner Farbe und Form beruhen sollte.

Knoebel hat mit den unterschiedlichsten Medien gearbeitet, den Werkbegriff immer wieder erweitert.

Damit knüpft er an das Gedankengut von Beuys an. Ende der sechziger Jahre war die Erweiterung des Kunstbegriffs ein wichtiges Thema - genau wie die Forderung, das Leben in die Kunst zu integrieren. Das war ein zentraler Aspekt, unter dem auch die Projektionsarbeiten zu verstehen sind.

In der Kunsthalle Baden-Baden sind in der Ausstellung "7 x 14" gerade Arbeiten von Knoebel zu sehen, nachdem er schon bei der Ausstellungsreihe "14 mal 14" vertreten war. Er hat dort auch zusammen mit Palermo eine Arbeit realisiert und wurde in einer Einzelausstellung vorgestellt. Die Kunsthalle hat also für Knoebel eine wichtige Rolle in seiner künstlerischen Laufbahn gespielt.

Absolut. 7 x 14 ist eine Ausstellungsreihe, die wir anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden präsentieren. Das Projekt knüpft an die von Klaus Gallwitz initiierte Ausstellungsreihe 14 mal 14 aus den Jahren 1968 bis 1973 an, die damals jungen Künstlern die Möglichkeit gab, für 14 Tage in einer Art work in progress die Ausstellungsräume der Kunsthalle zu bespielen. Einige der Beteiligten, die im Rahmen von 14 mal 14 ihre erste institutionelle Einzelausstellung bestritten, machten große Karrieren und zählen heute zu den bedeutendsten Künstlern unserer Zeit. Als Auftakt zu unserem Projekt 7 x 14 rekonstruieren wir Räume aus diesen historischen Ausstellungen. Wo eine Rekonstruktion nicht mehr möglich ist, zeigen wir Ausschnitte oder Fragmente. Von Gerhard Richters über 100 gezeigten Bildern präsentieren wir exemplarisch zwei Beispiele: die berühmten Gemälde 8 Lernschwestern und Faltbarer Wäschetrockner. Georg Baselitz zeigte damals 56 Gemälde, von denen nun zwei Heldenbilder zu sehen sind. Von Imi Knoebel zeigen wir die Linienbilder und von Palermo eine blaue Wandmalerei, die er 1970 im großen Saal über dem Stuckfries angebracht hatte. Außerdem zeigen wir raumgreifende Skulpturen aus Bandeisen von Ulrich Rückriem, Gemälde von Almut Heise und Schriftbilder von KRIWET.
Zu der Ausstellungsreihe 7 x 14 laden wir 7 junge Künstlerinnen und Künstler ein. Ihre kontextbezogenen Rauminstallationen entstehen in Anwesenheit des Publikums und sollen ihm ein lebendiges Forum der Auseinandersetzung mit dem aktuellen Kunstgeschehen bieten. In einem Turnus von 14 Tagen werden die Ausstellungen jeweils von Dienstag bis Freitag aufgebaut und am Freitagabend eröffnet, sodass die Laufzeit der Ausstellungen neun Tage beträgt. Einzig an den Montagen bleibt die Kunsthalle geschlossen. Mit Michael Beutler, dem Projektraum Silberkuppe, Kalin Lindena, Friedrich Kunath, Dirk Bell, Alex Müller und Shannon Bool sowie Henning Bohl zeigen wir - ähnlich wie bei 14 mal 14 - viel versprechende Künstlerinnen und Künstler, die am Anfang ihrer Karriere stehen. Den jungen Künstlern soll die Möglichkeit gegeben werden, sich mit den Räumen und dem Ort der Kunsthalle in Baden-Baden auseinanderzusetzen und die neun Räume zu gestalten. Nach jeder Ausstellung bleibt ein Raum bestehen, den die nachfolgenden Künstler in ihr Konzept einbeziehen, sodass der Besucher am Ende das Projekt in seiner Vielfältigkeit noch einmal Revue passieren lassen kann.

Wenn man den Bogen von Malewitsch, den Sie ja vor kurzem in der Kunsthalle gezeigt haben, zu jungen Positionen schlägt, wie würden Sie Knoebel darin verorten? Ist er ein Vorbild für Künstler der jüngeren Generation?

Imi Knoebel, Imi Giese und Palermo haben in den 1960er Jahren in Deutschland eine radikale, minimalistische Formensprache entwickelt, an die viele junge Künstler anknüpfen. In der Ausstellung Von der Fläche zum Raum. Malewitsch und die frühe Moderne habe ich mit dem Schwarzen Quadrat auf weißem Grund von Kasimir Malewitsch die Ikone der abstrakten Kunst gezeigt, die für alle nachfolgenden minimalistisch oder konzeptuell arbeitenden Künstlergenerationen von großer Bedeutung ist. Auch Imi Knoebel hat mit Werken wie Raum 19 eine ganz wichtige Vorlage geliefert, an der sich junge Künstler orientieren, die heute installativ arbeiten. Die radikale Weise, mit der er diese Räume besetzt, ist für die heutige Installationskunst wichtig. Etwa für Michael Beutler, der mit einfachsten Materialien wie Baustoffen raumgreifende Installationen konzipiert und am 07. April den Auftakt unserer Ausstellungsreihe 7 x 14 bildet.






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