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Drei in einem:

Renommierte US-Museen kooperieren bei Ausstellungsprojekt



Das von der Deutsche Bank Americas Foundation als Hauptsponsor geförderte 3M- Projekt präsentiert im New Yorker New Museum nicht nur einige der spannendsten Positionen der jungen internationalen Szene. Die Ausstellung zeigt auch, wie Museen in Zukunft kooperieren können, um gemeinsam anspruchsvolle Vorhaben zu realisieren, die aus eigener Kraft nicht zu stemmen wären. Morgan Falconer hat sich die Schau angesehen.




Post-Minimal, Femministische Kunst, die Pictures Generation - obwohl sich die Kunstszene New Yorks gerade in einer aufregenden Umbruchsphase befand, als das New Museum 1977 eröffnete, war es doch noch relativ einfach, die Medien, mit denen Künstler arbeiteten, voneinander zu unterscheiden. Wie sehr sich die Kunst seit den späten siebziger Jahren weiterentwickelt hat, führt Daria Martins neues Projekt Minotaur vor, die unterschiedlichsten Medien in sich vereinigt: Natürlich ist Minotaur in erster Linie ein Film. Aber er setzt sich auch mit der Bildhauerei, mit Rodins gleichnamiger, 1886 entstandener Bronzeskulptur auseinander. Zugleich beginnt der Vorspann mit Aquarellen von sich drehenden und windenden Figuren. Während sie langsam ausgeblendet werden, kommen eine Choreografin und zwei Tänzer ins Bild. Es wirkt, als sei diese neue Kunst wie der Minotaurus - ein hybrides Ungeheuer, in dem sich die unterschiedlichsten Genres vereinen.

Martins Arbeit ist eines von vier Projekten, die das New Museum im Rahmen des 3M Project präsentiert, für das sich die Deutschen Bank als Hauptsponsor engagiert. Das New Yorker Museum kooperiert dabei mit dem Museum of Contemporary Art in Chicago und dem Hammer Museum in Los Angeles. Gemeinsam beauftragen und erwerben die drei renommierten Häuser für Gegenwartskunst wegweisende neue Arbeiten. Als ich vor kurzem im New Museum war, um zu sehen, welche Fortschritte der Aufbau macht, hatte Mathias Polednas neue Filminstallation, Crystal Palace, gerade ihre New Yorker Premiere erlebt. In einem anderen Raum des Museums liefen bereits die Vorbereitungen für Informal Cities. Dieses Ausstellungsprojekt stellt das Architekturmagazin Urban China vor, das seit 2005 in Shanghai publiziert wird. Außerdem erwarteten die Kuratoren eine ganz spezielle Lieferung: das Wrack eines Autos, das im März 2007 in Bagdad bei einem Bombenattentat zerstört wurde. Es ist Bestandteil von Jeremy Dellers Arbeit It Is What It Is: Conversations from Iraq. Für sein Projekt hat Deller die unterschiedlichsten Menschen eingeladen, um von ihren Erlebnissen im Irak zu berichten - unter anderem einen Übersetzter, der für die britische Botschaft in Bagdad gearbeitet hat, einen Soldaten, der kürzlich aus dem Kriegsdienst entlassen wurde und den ehemaligen Direktor des irakischen Nationalmuseums.

Es ist wirklich selten, dass in einem Museum gleichzeitig vier Großprojekte vorgestellt werden können. Das liegt auch daran, dass die Arbeiten von Künstlern zunehmend aufwendiger und kostspieliger werden. Laura Hoptman, Krauss Family Senior Curator am New Museum, erklärt, dass in mittelgroßen Institution seit längerem diskutiert wird, wie man mit dieser Entwicklung Schritt halten kann. Das Dilemma ist deutlich: Viele Institutionen sind schon aufgrund ihres Budgets damit überfordert, gleichzeitig ihre Sammlungen zu erweitern und ambitionierte Projekte zu realisieren. Daran hätte auch Daria Martins neuer Film scheitern können. Schon häufig hatte sich die Künstlerin in ihren Filmen mit dem Thema Tanz beschäftigt. Doch Minotaur war ein besonders komplexes Unterfangen. "Das Projekt wurde von meinem Wunsch inspiriert, mit der legendären Choreographin Anna Halprin zusammenzuarbeiten", erläutert die in London lebende Amerikanerin. "Halprin ist die Wegbereiterin des Post Modern Dance und hat ganz alltägliche Bewegungen in ihre Choreographien eingebaut. Mein Film ist eine Hommage an sie und zugleich erkundet er, wie sich Künstler mit den Arbeiten vergangener Generationen auseinander setzen." Bei ihren Recherchen fand sie heraus , dass Halprin eine Choreografie für einen Tanz erarbeitet hatte, der auf Rodins Minotaurus basiert - was perfekt zu Martins Interesse passte: "Ich war begeistert, dass Halprin in ihrer Choreografie die sexuellen Rollenklischees, die sich in Rodin Skulptur widerspiegeln, auf den Kopf gestellt hat." Martins düsterer, lyrischer Film vereint dokumentarische wie fantastische Elemente: Die Kamera beobachtet die 88-jährige Choreografin beim Durchblättern eines Bildbands über Rodins Skulpturen, um dann über die Konturen einer von Rodins spiegelnden Bronzen zu gleiten - ganz, so als ob sie die Fantasiebilder Halprins einfangen wolle. Plötzlich scheint die Skulptur zu lebendig zu werden: Sie verwandelt sich in ein tanzendes Paar: einen Mann, der nach einer Frau greift, die sich ihm immer wieder entzieht.

"Meine Filme werden normalerweise durch Stipendien finanziert oder sie sind Auftragsarbeiten für Museen, an denen sich manchmal auch Galerien mit kleineren Summen beteiligen", sagt Martin. Meist ist sie gezwungen, die Gelder für ihre Arbeiten aus verschiedenen Quellen zusammen zu tragen. Diesmal war jedoch alles sehr viel einfacher. "Meiner Erfahrung nach ist das 3M Project mit seinem "Drei-in-einem-Konzept" - beauftragen, ausstellen, sammeln - wirklich einzigartig."

Auch Jeremy Deller muss seine Arbeiten zumeist auf ähnlich umständliche Weise finanzieren: "Mit kommerziellen Galerien hatte ich nie viel Glück." Das ist wenig überraschend, zielt doch der Turner Preisträger nicht darauf ab, leicht verkäufliche Objekte oder Filme zu produzieren. Vielmehr versteht er sich, wie es Hoptman ausdrückt, als "Kurator von Situationen". Bei seiner Irak-Arbeit setzt er auf sehr sparsame Mittel: Zum Projekt gehört, wie er es formuliert, " eine Gruppe von Menschen, mit denen man im Ausstellungsraum sprechen oder diskutieren kann." Zentrales Element der Museumspräsentation ist dabei ein Autowrack. "Es ist sehr ungewöhnlich, dass man überhaupt so etwas sieht", erläutert der Brite, "denn gerade in Amerika werden Autos als etwas Heiliges betrachtet." Doch Deller geht es nicht um reine Provokation. Für ihn ersetzen in den Nachrichtensendungen die Aufnahmen zerstörter Autos die Bilder von toten Menschen. "In britischen oder amerikanischen Nachrichten würden sie nie Leichen zeigen. Von daher fungieren diese Autos als Stellvertreter für menschliche Körper." Doch auch wenn das Autowrack sicher den spektakuläreren Teil seines Projekts ausmacht, stehen für Deller die Gespräche im Vordergrund. Und die werden über diese Ausstellung hinaus fortgeführt: Wenn die Schau in New York vorüber ist, wird die Gruppe zu einer dreiwöchigen Tour durch die Städte auf dem Weg nach zur nächsten Station in Los Angeles aufbrechen.

Den drei beteiligten Museen - den drei Ms des Projekts - ermöglicht diese Aktion, ein ganz neues Publikum anzusprechen. Gerade deshalb hat sich auch die Deutsche Bank Americas Foundation entschlossen, das 3M Project als Hauptsponsor zu unterstützen. Alessandra DiGiusto, Chief Administrative Officer der Stiftung, führt aus: "Wir freuen uns, dieses wegweisende Modell unterstützen zu können. Es verhilft talentierten Künstlern zu mehr Aufmerksamkeit und gleichzeitig ermöglicht es den beteiligten Museen, ihre Sammlungen zu erweitern. Wir sind überzeugt, dass Kunst einen großen Einfluss auf die Gesellschaft hat und dass unser Engagement gerade in diesen wirtschaftlichen Zeiten immer wichtiger wird."

Mancher mag sich fragen, ob Dellers Projekt überhaupt in ein Museum gehört. Das könnte auch für den Beitrag von Urban China gelten, da es sich hier nicht um Künstler, sondern in erster Linie um die Herausgeber eines Architekturmagazins handelt. Für Kuratorin Laura Hoptman stellt sich diese Frage allerdings gar nicht. "Ihr Vorbild Rem Koolhaas hat sich immer zwischen visionärer Architektur, die oft in Museen zu sehen ist, und Entwürfen, die man tatsächlich umsetzen kann, bewegt. Bei Urban China verhält es sich ähnlich. Und parallel zu der Arbeit an ihrem Magazin ist ein umfangreiches Fotoarchiv entstanden, dass den rasanten Wandel chinesischer Städte dokumentiert." Die Website des Magazins gibt davon bereits einen Vorgeschmack. Doch neben einer Installation, die einen überaus lebendigen Eindruck der Publikation vermittelt, produziert Urban China für die Schau eine spezielle Ausgabe, die die Arbeitsweise der Gruppe vorstellt: Halb Ausstellungskatalog, halb Multiple ist das Magazin mit einem Ausklappposter versehen, das ein großes, fotografisches Panorama einer chinesischen Küstenstadt zeigt. Darin hat Urban China technische Zeichnungen integriert, mit denen sie Projekte darstellen, die in diesem Areal realisieren werden könnten.

Wenn es beim 3M Project um grenzüberschreitende, interdisziplinäre Ansätze für Ausstellungskonzepte geht, könnte man behaupten, dass sich Mathias Polednas neuer Film, Crystal Palace, mit den Vorläufern solcher Versuche beschäftigt. Auf den ersten Blick erscheint seine Arbeit unkompliziert, geradezu schlicht: Der Film besteht aus einer Reihe statischer Einstellungen, die die Vegetation in einem Regenwald auf Neuguinea zeigen - Palmen und undurchdringliches Unterholz. Begleitet werden diese Bilder von einer Geräuschkulisse aus Blätterrauschen und Vogelstimmen. Erst nach einigen Minuten bemerkt man, dass sich nach einem Schnitt zwar das Bild ändert, nicht aber der Ton oder dass der Ton mitten in einer Einstellung wechselt. Die Intention dieses formalen Mittels erschließt sich aus dem Titel der Arbeit. Crystal Palace bezieht sich die gleichnamige gläserne Halle, in der die Exponate der Londoner Weltausstellung von 1891 zu sehen waren. Das Bauwerk glich einer Mischung aus Bahnhof, Schloss und Gewächshaus. Künstliche Szenerien mit exotischen Tieren und Pflanzen sollten einen Eindruck auch der entferntesten Winkel des britischen Empire vermitteln. Und der sollte möglichst verführerisch und leicht konsumierbar sein. Aber natürlich waren diese fremden Objekte nicht so einfach zu verstehen, wie es den Anschein hatte. Und das sollten wir vielleicht auch in unserer medialisierten Gegenwart im Kopf behalten, wenn wir uns ganz entspannt in die Bilder vertiefen, die Künstler von der Welt da draußen zeichnen.






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