Deutsche Bank Gruppe  |  Gesellschaftliche Verantwortung  |  Sammlung Deutsche Bank  |  Deutsche Guggenheim  |  English  
Home Feature On View News Press Archiv Service
Diese Kategorie enthält folgende Artikel
Erinnerung und Skulptur - Studiobesuch bei Anish Kapoor
3M Project in New York
Reale Körper - Maria Lassnig im Interview
Im Menschenzoo – Jake & Dinos Chapman
Am Ende läuft doch alles über den Körper - Ralf Ziervogel
Malerei als Konstrukt - Bernhard Martin
Der Geist des Bauhauses ist das Experiment - Ein Interview mit Prof. Dr. Omar Akbar, Direktor der Stiftung Bauhaus Dessau
Unglaubliche Sammlungsleistung - Städel-Direktor Max Hollein im Gespräch
2008 California Biennial

drucken

weiterempfehlen

"Eine unglaubliche Sammlungsleistung"

Ein Gespräch mit Städel-Direktor Max Hollein



Die Deutsche Bank übergibt dem Städel 600 Arbeiten aus ihrer Sammlung, die den Bestand des Frankfurter Museums dauerhaft ergänzen werden. Seit langem sind die Verbindungen zwischen Bank und Museum eng. So war Hermann Josef Abs, langjähriger Vorstandssprecher der Deutschen Bank, 24 Jahre Vorsitzender der Administration des Städel. Und bis heute hat die Deutsche Bank zahlreiche Projekte des Museums unterstützt. Oliver Koerner von Gustorf hat sich mit Städel-Direktor Max Hollein über die Leihgaben aus der Unternehmenssammlung und die von der Deutschen Bank geförderte Schau "Der Meister von Flémalle und Rogier van der Weyden" unterhalten.


Oliver Koerner von Gustorf: Die Deutsche Bank übergibt dem Städel Museum 600 Arbeiten aus ihrer Sammlung. Welche Bedeutung haben diese unbefristeten Leihgaben für das Profil des Museums?

Max Hollein: Diese Arbeiten stellen eine der größten Sammlungserweiterungen in der Geschichte unseres Hauses dar. Vertragliche Details gewährleisten, dass diese Werke dauerhaft im Städel bleiben und so wirklich ein Bestandteil der Sammlung werden. Dies ist für unser Haus eine große Errungenschaft. Wir können wesentliche Entwicklungen der zeitgenössischen Kunst abbilden und ebenso eine der ganz großen Sammlungsleistungen würdigen, die durch die Unternehmenssammlung der Deutschen Bank vollbracht wurde.

Nach welchen Kriterien wurden die Arbeiten ausgewählt?

Das Städel hat seine Sammlung seit seiner Gründung 1815 kontinuierlich weiterentwickelt und stets die aktuellen künstlerischen Positionen in den kunsthistorischen Kanon eingebunden - seien es die Nazarener zu Beginn des 19. Jahrhunderts, die klassische Moderne Anfang des 20. Jahrhunderts oder eben die Kunst der letzten Jahrzehnte. So besitzen wir wichtige Arbeiten von Yves Klein, Dan Flavin, Francis Bacon oder Gerhard Richter. Die Arbeiten aus der Sammlung Deutsche Bank treffen im Städel also nicht auf eine "leere Fläche", sondern sie stellen eine Erweiterung unserer Sammlung dar. Sie reflektieren vor allem Entwicklungen im Bereich der deutschen Kunst nach 1945. Bedeutende Werke von Georg Baselitz, Sigmar Polke, Gerhard Richter, Martin Kippenberger und Anselm Kiefer, von dem wir ja schon in den siebziger Jahren einen Werkkomplex erworben haben, ergänzen unsere Bestände. Dazu kommen aber auch Werke von wichtigen Künstlern, die bislang nicht in unserer Sammlung vertreten sind - wie zum Beispiel Rosemarie Trockel. Bei der Auswahl ging es darum, dass besonders im Bereich der Druckgrafik ganze Konvolute von Werken in die Sammlung des Städel gelangen - etwa von Hanne Darboven, Günther Förg, Imi Knoebel, aber eben auch von Polke und Richter. Dazu kommt noch eine ganze Reihe von Originalen auf Papier, von Künstlern wie Richard Artschwager, die noch nicht so stark in der Sammlung des Hauses vertreten waren.

War es ein schwieriger Entscheidungsprozess oder herrschte von Anfang an Einigkeit über die Auswahl?

Die Sammlung Deutsche Bank umfasst rund 53.000 Arbeiten, die uns vorher natürlich nicht alle einzeln bekannt waren. Aus den Teilen der Sammlung, die wir kannten, ergaben sich einige Wünsche. Es ging dann darum, gemeinsam mit den Kuratoren der Deutschen Bank die idealen Ergänzungen für die Städel-Sammlung zu finden. Das geschah in einem sehr harmonischen Auswahlprozess, der sich über einen längeren Zeitraum erstreckte. Natürlich gab es Prämissen von Seiten der Sammlung Deutsche Bank, die gewisse Dinge ganz bewusst ausgeschlossen haben. Es war Ziel der Deutschen Bank, gerade den Kernbestand der Zeichnungen nicht zu stark in die Auswahl einzubringen. Das war für uns unproblematisch, denn unsere Interessen lagen besonders im Bereich der Gemälde. Wir haben uns gefragt, was unsere Sammlung weiterbringt. Es ging um Werke, die natürlich kunsthistorisch wichtig sind, aber auch für die Öffentlichkeit relevant sind und "musealen Charakter" besitzen wie Richters Kahnfahrt und Kiefers Hermanns-Schlacht.

Mit der Ausstellung "Erste Wahl" haben Sie bereits eine Auswahl der Arbeiten vorgestellt.

Diese Ausstellung sollte einen ersten Einblick in das Konvolut ermöglichen. Wir haben diskutiert, wie wir auf das zu erwartende Interesse des Publikums reagieren sollen, das natürlich wissen möchte, welche Arbeiten aus der Sammlung Deutsche Bank an das Städel gehen. Wir wollten einen Teil der Werke präsentieren, allerdings nicht in Form einer kuratierten Ausstellung. Es ging uns vielmehr darum, einen Eindruck von der Fülle und Vielfalt dieses Konvoluts zu vermitteln. Deshalb haben wir uns für eine Petersburger Hängung entschieden und dabei ganz bewusst Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafiken gemeinsam präsentiert. Wir sind ja gerade dabei, einen Erweiterungsbau für das Städel zu realisieren, der 70 Prozent zusätzliche Sammlungsfläche generieren wird. Das ermöglicht uns dann, primär Kunst, die nach 1945 entstanden ist, auf rund 3.000 Quadratmetern zu zeigen. Und dabei werden natürlich die Werke aus der Sammlung Deutsche Bank eine große Rolle spielen.

Wie wichtig ist für Sie das Engagement von Unternehmen wie der Deutschen Bank?

Das ist natürlich mittlerweile sehr wichtig geworden. Ich würde sogar sagen, dass die Entwicklung des Typus der Unternehmenssammlungen die interessanteste Sammlungsentwicklung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts darstellt. Viele dieser Sammlungen wurden in den sechziger und siebziger Jahren unter dem Stichwort "Kunst am Arbeitsplatz" gegründet. Dem liegt ein neues Verständnis von Kunst und ihrer sozialen Relevanz zugrunde: Das wurde den Mitarbeitern zugänglich gemacht. Viele Unternehmenssammlungen wurden mit großem Fachwissen aufgebaut. Anders als manche Privatsammlungen reflektieren sie nicht den individuellen Blick eines Sammlers, sondern sie sind ähnlich konzipiert wie Museumssammlungen. Mehrere Kuratoren sind beteiligt, die Auswahl der Arbeiten wird sehr stark reflektiert und es wird eine breitere Entwicklung abgebildet. Eine Unternehmenssammlung wie die der Deutschen Bank ist sicherlich nicht nur eine der größten, sondern auch eine der bedeutendsten in Bezug auf ihre Qualität. Das wird meiner Meinung nach immer noch stark unterschätzt. Natürlich sind auch Privatsammler außerordentlich wichtig, aber man muss sehen, dass eine ganze Reihe von Unternehmen - allen voran die Deutsche Bank - eine unglaubliche Sammlungsleistung erbracht hat. Und dies gilt es zu reflektieren und zu würdigen.

Das Städel zeigt ja nicht nur zeitgenössische Kunst. In Ihrer aktuellen Schau "Der Meister von Flémalle und Rogier van der Weyden", die von der Deutschen Bank gefördert wird, stellen Sie zwei wichtige Pionieren der neuzeitlichen Malerei vor. Worin liegt für Sie die Bedeutung dieser Ausstellung?

Diese Ausstellung ist wirklich historisch, denn zum ersten Mal sind Gemälde des Meisters von Flémalle und von Rogier van der Weyden, die ja so gut wie nie verliehen werden, zusammen an einem Ort zu sehen. Diese beiden bedeutenden niederländischen Künstler sind mit den Gebrüdern van Eyck die Begründer der neuzeitlichen Malerei. Mit ihnen beginnt eine ganz neue Form der Kunst und auch der Kunstrezeption. Interessant sind sie aber nicht nur wegen ihres immensen Einflusses auf die Entwicklung der Malerei. Was das Publikum damals wie heute fasziniert, ist die Tatsache, dass diese Künstler in traditionelle Bildformate wie Heiligendarstellungen oder Kreuzigungsszenen einen vollkommen neuen Naturalismus eingebracht haben. Dieser akribische Realismus hat auch die italienischen Maler sehr beeindruckt. Letztendlich gehören die Gemälde des Meisters von Flémalle und von Rogier van der Weyden zu den herausragendsten künstlerischen Leistungen der Menschheit. Die Schau ist, das kann man wirklich sagen, eine Sensation. Dass sie überhaupt zustande gekommen ist, liegt auch an der hervorragenden Altniederländer-Sammlung des Städel und an der Zusammenarbeit mit der Berliner Gemäldegalerie, die ebenfalls über einen bedeutenden Bestand verfügt. Nur deshalb konnten wir die vielen anderen Museen überzeugen, ihre Werke für diese Ausstellung zu verleihen. Natürlich war für uns auch die Hilfe der Deutschen Bank ganz wesentlich, denn es ist extrem aufwändig, eine Ausstellung mit derart hochkarätigen und fragilen Werken zu realisieren.




Newsletter
Bleiben Sie immer Up to Date in Sachen Gegenwartskunst – mit ArtMag. Abonnieren Sie hier unseren Newsletter.
 

Alternative content

Get Adobe Flash player

On View
Memory - Anish Kapoor im Deutsche Guggenheim / Altniederländische Meisterwerke im Städel Museum / Deutsche Bank Stiftung fördert Frances Stark-Ausstellung im Portikus / Aktuelle Kunst aus Österreich im Essl Museum / Deutsche Bank unterstützt die 2008 California Biennial
News
Kandinsky Prize: Gewinner 2008 / Erste Schau der Sammlung Deutsche Bank im Mittleren Osten / Sammlung Deutschen Bank Unter den Linden für Besucher geöffnet / Turner Prize für Mark Leckey / Kunstengagement der Deutschen Bank ausgezeichnet / Ian Wallace in der Kunsthalle Zürich
Press
Warten, bis sich der Nebel lichtet - Presse zur Frieze Art Fair 2008 / Gute Kunst im Überfluss - Kritiken zur 2008 California Biennial
Impressum  |  Rechtliche Hinweise  |  Accessibility
Copyright © 2010 Deutsche Bank AG, Frankfurt am Main


+  ++  +++