Bilder, die sich ins Hirn einbrennen Alex
Katz im Gespräch
Von John
Baldessari bis Francesco
Clemente, von Eric Fischl bis A.R.Penck
– die Ausstellung "Singular Multiples", die gerade im Museum
of Fine Arts in Houston zu sehen ist, eröffnet ein eindrucksvolles
Panorama der grafischen Kunst. Alle der über 400 gezeigten Arbeiten
stammen aus dem Archiv der Peter
Blum Editions, in der von 1980 bis 1994 Grafikeditionen vieler
bedeutender Künstler erschienen. Unterstützt wird die dreiteilige Schau
von der Deutschen Bank. Ein Gespräch mit Alex Katz steht am Anfang unsere
Folge exklusiver Interviews mit Künstlern, die in der Ausstellung
vertreten sind. Cheryl Kaplan hat Alex Katz in New York getroffen –
zu Hause und in seinem Studio.
 Alex
Katz, 3 PM, 1988, Courtesy /
Copyright Peter Blum Editions, New York and Alex Katz, © VG Bild-Kunst,
Bonn 2006
Gerade hat man das Gefühl, überall
auf Alex Katz zu treffen – bei der
letzten Armory Show
oder jetzt bei PaceWildenstein.
Dort werden in der Ausstellung "The Sixties" einige seiner Arbeiten
gezeigt, die nie zuvor zu sehen waren. Bei Phaidon
ist vor kurzem eine umfangreiche Katz-Monografie erschienen und im Oktober
eröffnet im New Yorker Jewish
Museum die Retrospektive "Ada by Alex Katz". Gewidmet ist sie den
zahlreichen Bildern, die der Künstler von seiner Frau Ada gemacht hat,
einer Biologin, die Humor, Intelligenz und eine fast unheimlich wirkende
Ruhe ausstrahlt. Die Bilder halten Adas Leben fest und das ihrer Familie
und Freunde. Katz lebt und arbeitet in New York und Maine, wo viele seiner
Landschaftsbilder entstanden sind.
 Alex
Katz bei der Eröffnung seiner Ausstellung bei PaceWildenstein, Foto
Courtesy Cheryl Kaplan. © Cheryl Kaplan 2006. All rights reserved.
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Alex Katz in seinem New Yorker
Studio, Foto Courtesy
Cheryl Kaplan. ©Cheryl
Kaplan 2006. All rights reserved.
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Seit den fünfziger Jahren verfolgt Katz einen sehr
eigenwilligen und komplexen Weg. Seine Gemälde zeugen von seinem
unfehlbaren Sinn für Farbe, Proportionen und Timing. Frühe Arbeiten zeigen
extrem vergrößerte Köpfe, die er völlig vom Bildhintergrund isoliert.
Parallel dazu hat er immer an dem Thema Landschaft weitergearbeitet. Eine
zentrale Rolle in seinem Werk spielt die Auseinandersetzung mit
menschlichen Gesten und Posen – vor allem in den großformatigen Gemälden
von Cocktail-Parties, Gartenfesten oder Strandszenen. Oft beginnt sie Katz
mit Vorzeichnungen, an denen er lange arbeitet und schnell vor Ort
gemalten Kleinformaten. Die großformatigen Gemälde entstehen in seinem
Studio. Mit seinen Arbeiten ist der 1927 in New York geborene Künstler in
vielen bedeutenden Museen der Welt vertreten wie dem Whitney
Museum in New York oder der Berliner Neuen
Nationalgalerie.
Cheryl Kaplan: In den
fünfziger Jahren hat sich Ihr Malstil sehr gewandelt. Wie kamen Sie dazu
das Bildmotiv zu vergrößern und dadurch völlig neu zu erfinden? Wie wirkte
sich die Vergrößerung aus?
Alex Katz: Ungefähr
1957 wollte ich eine ganz spezifische Art von Porträts machen. Ich habe in
dieser Zeit Landschaften mit großen, flachen Farbflächen gemalt. Von den
All-over-Gemälden, die Anfang der Fünfziger entstanden waren, bin ich zu
Bildern mit sehr schweren Farben gekommen. Auch in den Gemälden von Franz
Kline gab es diese schwarzen Flächen, die extrem schwer wirkten – so
wie bei Rothko, der
ebenfalls die Farbe wie ein Gewicht behandelt hat. Ich fing damit an,
Farbe auf die gleiche Weise einzusetzen. Das brachte mich auf Velázquez
und Tizian , die Farbe
ähnlich verwendet hatten wie Kline. Nach meiner Auseinandersetzung mit
Rothko habe ich Tizian verstanden.
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