In dieser Ausgabe:
>> Gespräch: Laura Owens
>> Interview: Markus Schinwald
>> Kinderbildnisse in der Sammlung Deutsche Bank
>> Kindliche Strategien in der Kunst

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Jochen Flinzer, Winnie the Pooh, 1993
Sammlung Deutsche Bank

Zu den Strategien des Kindlichen gehört auch die Nachahmung, sei sie nun von Erwachsenen verordnet oder der eigenen Begeisterung entsprungen. Wenn der deutsche Künstler Jochen Flinzer in akribischer Handarbeit die Konturen von Disneys Winnie the Pooh seriell auf Papier nachstickt, dann gleicht das einer ironischen Fleißarbeit. In der Verbindung von niedlicher Unschuld und verpönten angewandten Künsten steckt subversives Aufbegehren gegen die klassischen Formen der Kunstproduktion. In diesem Sinne agiert auch Raymond Pettibon. Nachdem er in den achtziger Jahren als Illustrator von Schallplatten – vornehmlich von Punkbands aus seiner Heimatstadt Los Angeles – angefangen hatte, entdeckte auch bald die Kunstwelt seine Fähigkeit, die Sphären von High und Low miteinander zu verknüpfen.

Er zitiert die einfache Bildsprache von Comics - oder eben von Kinderzeichnungen - und kombiniert diese mit teilweise sich über das ganze Blatt hinziehenden Texten, wie bei einem Schüleraufsatz der Mittelstufe. Wenn man dann jedoch näher tritt, wird man gewahr, dass es sich dort meist um bittere gesellschaftliche Anklagen dreht. Sie erlangen ihr Gewicht nicht zuletzt dadurch, dass Pettibon sie im naiven Duktus dessen vorträgt, der die kindliche, unverblümte Wahrheit beim Namen nennt.
Pettibon zitiert die einfache Bildsprache von Comics - oder eben von Kinderzeichnungen - und kombiniert diese mit teilweise sich über das ganze Blatt hinziehenden Texten, die an die Schrift von Sprechblasen erinnern oder wie bei einem Schüleraufsatz der Mittelstufe ungelenk über das Bild verlaufen. Das Aufgreifen von Motiven aus der Teen- und Massenkultur geht bei Pettibone mit einem anarchischen Angriff auf gesellschaftliche Konventionen einher.


Raymond Pettibon, Untitled (The Figurativer), 1998
Sammlung Deutsche Bank

Während viele seiner Motive Splatter-Ästhetik und Gewaltszenen zitieren, transformiert er in seinem Aquarell The Figurativer (1998) das bei amerikanischen Kindern populäre Knetgummi-Männchen Gumby in ein mystisches Monster, das wie die Raupe in Alice im Wunderland im Schneidersitz hockt und Rätsel aufgibt – ein verformbares Gummiwesen, das sich im nächsten Moment selbst ausradieren könnte.


Johannes Hüppi, Ohne Titel, 1995
Sammlung Deutsche Bank


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