Kunst ist eine gesellschaftliche und kulturelle
Investition: Die Direktoren der Deutsche Bank Art im Interview
In diesem Jahr feiert die Sammlung Deutsche Bank ihr 25-jähriges Bestehen mit
einer großen Ausstellung, die am 29. April im Deutsche Guggenheim in
Berlin eröffnet wird. Im Vorfeld des Jubiläums bekam die Deutsche Bank Art
in Frankfurt Besuch aus Japan: Für die Kunstzeitschrift Axiom, die von der
Galerie MSSOHKAN in Kobe herausgegeben wird, interviewte der Journalist
Aki Nakanishi die Direktoren von Deutsche Bank Art, Dr. Ariane
Grigoteit und Friedhelm Hütte. Wir freuen uns, den Beitrag im db artmag
veröffentlichen zu können.

Kunst in der Deutschen Bank. Elfriede Lohse Wächtler, Selbstportrait
(in fantastischer Gesellschaft), 1931
Als eines
der weltweit renommiertesten Geldinstitute ist die
Deutsche Bank auch mit der
aktuellen Kunstszene vertraut. Tatsächlich sammelt das Unternehmen
seit nun einem viertel Jahrhundert sowohl Werke der
klassischen Moderne als auch
Gegenwartskunst. Unter dem Motto "Kunst am Arbeitsplatz" wird die Sammlung
in Niederlassungen rund um den Globus präsentiert und verbindet so die
unterschiedlichen Perspektiven von Kunst- und Arbeitswelt.
Bemerkenswert findet es
MSSOHKAN , dass japanische Kunstmagazine und Zeitschriften bislang so
wenig über das wegweisende Kunstkonzept der Bank berichtet haben. Aus
diesem Grund flog Aki Nakanishi im Auftrag von MSSOHKAN für das
Kunstmagazin AXIOM zum Sitz von
Deutsche Bank Art nach Frankfurt, um vor Ort mehr über die
Unternehmenssammlung zu erfahren.
Aki Nakanishi: Zuerst
einmal möchte ich mich für die Gelegenheit bedanken, mich persönlich mit
Ihnen unterhalten zu können. Lassen sie uns mit der Frage starten, wie das
Kunstengagement der Bank begann.
Ariane Grigoteit: Das
Konzept "Kunst am Arbeitsplatz" wurde vor etwa 25 Jahren initiiert, als
der Vorstand unter der Leitung von
Dr. Herbert Zapp die damals noch völlig neuartige Vision entwickelte, den
Mitarbeitern in der Finanzwelt Kunst direkt am Arbeitsplatz näher zu
bringen. Zwar hatte die Bank bereits zuvor zahlreiche Ankäufe von Werken
der klassischen Moderne getätigt, bis zu diesem Zeitpunkt lagen jedoch
noch keine grundsätzlichen Konzepte und Strategien im Hinblick auf die
Sammlung vor. Also erarbeitete Dr. Zapp gemeinsam mit einem Team interner
und externer Experten Leitlinien für die Sammlung, die bis heute
Gültigkeit haben:
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Der bereits vorhandene, kleinere Bestand an Werken der
klassischen Moderne sollte gezielt ergänzt und dann insgesamt
abgeschlossen werden. Den Schwerpunkt der Sammlung hingegen sollen
Arbeiten zeitgenössischer Künstler auf Papier bilden: Zeichnungen,
Aquarelle und Gouachen, aber auch Fotografie. Zudem sollen junge Künstler
und deren Galerien über den Ankauf der Arbeiten unterstützt werden.

Kunst am Arbeitsplatz. Hanne Darboven, 21 x 21, 1968
Das ursprüngliche Sammlungskonzept wurde auch im Hinblick auf die Kunst in den
neu bezogenen
Frankfurter Zwillingstürmen entwickelt, wobei die Ausstattung 1986
erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Die Hängung im Frankfurter
Hauptsitz sollte auf 55 Etagen die deutsche Nachkriegskunst in
Einzelpositionen erfahrbar machen und zugleich die gesellschaftlichen
Bezüge der Werke auch für die Gegenwart verdeutlichen. Deshalb wurde neben
der Komplettierung der Sammlung durch Werke der klassischen Moderne
besonderer Wert auf den Ankauf von aktueller Gegenwartskunst gelegt – auch
weil für Herrn Dr. Zapp gerade der soziale Aspekt der Sammlungstätigkeit
entscheidend war.
Friedhelm Hütte: Bei der Ausstattung
der Frankfurter Zwillingstürme wurde gerade aufgrund der gewaltigen
räumlichen Ausmaße des Gebäudes deutlich, dass die Fokussierung auf
Kunstwerke aus dem deutschsprachigen Raum keine endgültige Entscheidung
bleiben konnte. Trotz der Quantität der Kunstwerke in der Bank ging es uns
immer darum, die Sammlung auf einem hohen qualitativen Niveau und dem
Stand der Zeit zu halten. Angesichts von gesellschaftlichen und
ökonomischen Umwälzungen wie der
deutschen Wiedervereinigung und der zunehmenden
Globalisierung des Marktes erschien es mehr als sinnvoll, die Sammlung um
internationale Perspektiven zu erweitern. Bereits seit Ende der achtziger
Jahre sind junge Künstler aus der ganzen Welt in unser Programm integriert.
Ariane Grigoteit: Das Ergebnis unseres
jahrzehntelangen Kunstengagements ist die weltweit größte
Unternehmenssammlung mit über 50.000 Werken, die nicht nur auf den Etagen
unseres Frankfurter Hauptsitzes, sondern in den Niederlassungen auf der
ganzen Welt gezeigt werden. Während jedes Stockwerk in den Zwillingstürmen
jeweils einem einzelnen Künstler gewidmet ist, zeichnen die Stockwerke in
der vertikalen Anordnung ein Panorama der deutschen Kunst der sechziger,
siebziger und achtziger Jahre nach, das sich zu den unteren Geschossen hin
verjüngt und um aktuelle Strömungen erweitert. An den "Turmspitzen" finden
sich hierbei mit Joseph Beuys und Horst Antes die jeweils ältesten
Künstler, die zugleich für die
Akademien in Düsseldorf und
Karlsruhe stehen, die in den beiden Türmen repräsentiert sind.
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