In dieser Ausgabe:
>> Biennale in Orange County
>> Max Ernsts Capricorne im Museum in Brühl

>> Zum Archiv

 
Der König spielt mit der Königin


Die imposante Figurengruppe Capricorne ist nicht nur eines der Hauptwerke des Surrealisten Max Ernst. Die Arbeit, die als Dauerleihgabe der Deutschen Bank ab April 2005 im neuen Max Ernst Museum in Brühl zu sehen sein wird, hat auch eine ganz besondere Geschichte, in der die einzelnen Kapitel von Liebe und Eifersucht, Rache und Flucht, Abgeschiedenheit und spätem Glück geschrieben wurden.



Das neue Max Ernst Museum in Brühl, von Süden aus gesehen
Foto: Rainer Mader, 2004

Am 23. April 2005 ist es soweit. Dann wird in Brühl, der Geburtsstadt des Mitbegründers des Surrealismus, Max Ernst, im ehemaligen Benediktusheim in Nähe des Schlosses Augustusburg das neue Max Ernst Museum eröffnet. Das 1984 unter Denkmalschutz gestellte Benediktusheim wurde 1844 als Ausflugs- und Vergnügungsstätte errichtet, später zu einem Hotel erweitert und ab 1918 als Pflegeheim genutzt. Den Umbau des hufeisenförmigen klassizistischen Gebäudes zum Museum besorgt das Kölner Architektenbüro van den Valentyn, wobei der schlossähnliche Altbau mit Elementen einer moderner Glasarchitektur kombiniert werden soll, ohne dass die historische Dreiflügelanlage dadurch in ihrer Substanz beeinträchtigt wird.



Max Ernst: Masques, o.J., Sammlung Deutsche Bank

Einer der Schwerpunkte des Museumsbestandes ist die so genannte Sammlung Schneppenheim. Die Sammlung des wie Ernst in Brühl geborenen Arztes Dr. Peter Schneppenheim umfasst nahezu das gesamte druckgrafische Werk des großen Surrealisten (1891-1976). Außerdem werden in dem Museum rund 500 Fotografien berühmter Fotografen und Künstlerkollegen zu sehen sein, darunter Man Ray, Lee Miller und Berenice Abbott, die einen Einblick in das Leben von Max Ernst geben.

Die Attraktion des Museums stellen jedoch jene 60 Skulpturen dar, welche direkt von der in New York lebenden Witwe des Künstlers, der Malerin Dorothea Tanning, erworben werden konnten. Das absolute Highlight ist die Figurengruppe Capricorne, die als Dauerleihgabe der Deutschen Bank nach Brühl gegeben wird. Die 1948 in der Abgeschiedenheit von Arizona entstandene, in ihrer Ausstrahlung faszinierende Skulpturengruppe wurde bereits 1982 von der Deutschen Bank für ihre Düsseldorfer Niederlassung an der Königsallee erworben und gilt allgemein als ein Hauptwerk des Künstlers.



Das neue Max Ernst Museum, soeben fertig gestellt und noch ganz leer
Foto: Rainer Mader, 2004

Zum Zeitpunkt ihrer Entstehung befand sich Max Ernst, der 1941 vor den Verfolgungen der Nationalsozialisten aus Paris in die USA hatte fliehen müssen, in einer ernsten Lebenskrise. Zwei Jahre zuvor hatte er sich endgültig mit seiner mächtigen Gönnerin und kurzzeitigen Ehefrau Peggy Guggenheim überworfen und war eine Liaison mit der Künstlerin Dorothea Tanning eingegangen. Peggy war rasend vor Wut und Eifersucht. Als sie von der Daily Press das Angebot erhielt, eine Artikelserie über ihre Künstlerfreunde zu schreiben, sah sie die Gelegenheit zur Abrechnung gekommen.



Max Ernsts Capricorne (1948-64) im Innenhof der Düsseldorfer Niederlassung der Deutschen Bank

In seinen 1984 erschienenen Lebenserinnerungen "Nicht gerade ein Stilleben" notierte Jimmy Ernst, Max' einziger Sohn aus erster Ehe: "Ich war entsetzt über dieses kleinliche Gekeife und mochte gar nicht glauben, dass sie ihre Rachsucht in dieser Form unter die Leute bringen wollte. Das Manuskript erschien mir fast wie ein Akt der Selbstgeißelung, bei dem rationales Denken häufig ausgeschaltet war. Es war maßgeschneidert für die Skandalpresse und würde ihr selbst beinahe ebenso schaden wie dem Objekt, das es vernichten sollte, meinem Vater."

[1] [2]