MoMA-Shirt
MM: Es deutet sich ja bereits an, dass der Shop beim Publikum
ebenso beliebt ist, wie die Ausstellung selbst. Zeichnet sich denn auch
schon ein Verkaufsschlager des Shops ab?
JK: Sehr
positiv überrascht hat mich, dass gerade die klassische Museumstasse oder
unser Milchbecher so gerne gekauft wird. Das Publikum fragt besonders nach
den sogenannten Basics eines Museums-Shops: "Wo ist euere Tasse, wo euer
Pin und wo sind die Kunst-Krawatten?"
MM: Demnach
bleiben diese Artikel die All-Time-Favourites des Museums-Shops?
JK: So scheint es zu sein. Aber wir haben uns darüber hinaus natürlich
wirklich bemüht, uns anzustrengen und herauszufinden, was Spaß machen
kann. Es gibt da auch noch ganz wunderbare kleine Kreisel, die das
Berliner Designer Team Tribehaus gemacht hat, das sich aus einem
dünnen, ausgelaserten Blech zusammen bauen lässt.

Dot Light von Murken - Hansen aus der 7+7 Design-Serie
MM: Sie leiten sowohl den MoMA-Shop in der Neuen Nationalgalerie als
auch den Museums-Shop im
Deutsche Guggenheim? Wie kam es dazu?
JK: Seit Anfang
letzten Jahres bin ich als Firma beauftragt, weil ich mit dem Deutsche
Guggenheim überein gekommen bin, dass es sich um eine Art Dienstleistung
handelt, die innerhalb des Museums besteht und in dieser Form eben so gut
auch anderen Institutionen angeboten werden kann. Seit Januar 2003 haben
wir die Konzession, den Museums-Shop in der Deutschen Guggenheim zu
führen. Vorher habe ich freiberuflich für den Shop gearbeitet. Mit dem
MoMA-Shop ist im Rahmen der Ausstellung Das MoMA in Berlin der
Verein der Freunde der Neuen Nationalgalerie als ein weiterer Auftraggeber
hinzugetreten. Günstig war natürlich, dass die Deutsche Bank als Sponsor
der MoMA-Austellung auftritt. Unter diesem Gesichtspunkt gab es daher
keinerlei Konflikte, beide Shops parallel zu gestalten.
MM:
Jedes Museum hat seine ganz spezielle Identität, die sich im Museums-Shop auch
widerspiegeln soll. Wie unterscheiden sich der Shop im Deutsche Guggenheim
von dem für Das MoMA in Berlin?
JK: Mir ist
wichtig, die unterschiedlichen Konzepte für die Shops im Deutsche
Guggenheim und in der Neuen Nationalgalerie scharf voneinander zu trennen.
Im Deutsche Guggenheim dreht sich alles um die jeweilige Ausstellung und
den jeweiligen Künstler. Der Shop soll die Arbeit des Künstlers und die
Ausstellung unterstützen, dabei aber genauso flexibel und vielfältig wie
der Künstler selbst sein. Im MoMA-Shop hingegen geht es um ein populäres
Ereignis, bei dem wir den ganzen Querschnitt der Besucher ansprechen
wollen.
|
Ein MoMA Klassiker aus New York:
Regenschirm mit Himmel
MM: Nicht
nur beim breiten Publikum ist der Shop im New Yorker MoMA sehr beliebt,
sondern auch beim Fachpublikum, das die Qualität des Angebotes schätzt. In
wie weit ist dieses Vorbild in die Konzeption des MoMa-Shops in der Neuen
Nationalgalerie eingeflossen?
JK: Das MoMA ist ein ganz
großes Vorbild. Ganz besonders jedoch der
MoMA-Design-Store, weil es mit ihm erstmals gelungen ist, tatsächlich so
etwas wie eine Qualitätsmarke zu entwickeln. Wichtig ist natürlich, dass
das MoMa grundsätzlich das Konzept verfolgt, keine typischen
Museums-Merchandise Produkte zu entwickeln, also nicht einfach ein Bild
von van Gogh oder Picasso für eine Kaffeetasse oder für die Krawatte zu
verwenden. Das MoMa war das erste Haus, das diese Strategie angewandt hat.
Gleichzeitig haben wir hier in der Neuen Nationalgalerie eine völlig
andere Aufgabenstellung. Wir sind deshalb im letzten Jahr nach New York
geflogen, um uns das MoMA und das Sortiment des Shops sehr genau
anzusehen. Wir haben wichtige Klassiker des MoMA-Shops eingekauft und das
Programm durch einen eigenen Ansatz ergänzt.

Blick in den MoMa-Shop
MM: Wie wird man
eigentlich Museums-Shop Leiter?
JK: Ich bin ein
klassisch ausgebildeter Kunsthistoriker, habe in Berlin und Paris studiert
und zunächst lange in der Museumspädagogik gearbeitet. Dort habe ich mich
intensiv mit dem Konzept des Multi-Media-Museums und der Vermittlung zum
Besucher beschäftigt. Das Angebot, den Museums-Shop im Deutsche Guggenheim
zu machen, ergab sich eigentlich ganz zufällig. Ich habe da nicht lange
gezögert und zugesagt. Rückblickend kann ich sagen, dass sich aus meinen
Tätigkeiten heraus eine Linie ablesen lässt, die sich mit der Arbeit für
den Museums-Shop fortsetzt. Mich interessiert vor allem die Frage, wie ich
Kunst sinnvoll vermitteln kann. Ich finde, dass man an Objekten lernen
kann, ganz egal ob man sie im Shop oder im Museum entdeckt. Außerdem
begleiten uns schöne Objekte ein Leben lang. Etwas steht auf dem
Schreibtisch, vielleicht gebrauche ich es täglich und wenn es dann ein
Stück von der Kunst transportiert, ist es genau richtig gewesen.
[1]
[2]
|