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Die Presse zu Tom Sachs' Installation Nutsy's im Deutsche
Guggenheim Berlin
McDonald's, Le Corbusier,
Skulpturenpark und Rennautos – in Tom Sachs' Installation
Nutsy's werden die gewohnten Grenzen zwischen "High and Low"
aufgehoben. Aber bietet diese erste Einzelausstellung des amerikanischen
Künstlers in Europa nur harmlosen Pop, oder steckt mehr dahinter?
Im Tagesspiegel
vergleicht Christina Tilmann Tom Sachs' "detailverliebte Hobbybastelei"
mit den Modellarbeiten des Schweizer Künstlerduos Fischli & Weiss, der
Installation Hell der Chapman-Brüder und den "farbenfrohen,
phantasievollen Hochhausbauten aus Uhu-Schachteln und anderem Müll, die
der afrikanische Künstler
Bodys Isek Kingelez auf der letzten Documenta vorstellte. Hier wie dort
herrscht ein ungebremster Basteltrieb, hier wie dort die Entscheidung,
mit billigsten Materialien anspruchsvolle Bauten zu verwirklichen, hier
wie dort postmoderne Zivilisationskritik. Die Improvisationsfähigkeit
von Künstlern hinterfragt die Vorzeigeprodukte westlicher
High-Tech-Architektur."
Auch Uta Goridis von der Berliner
Morgenpost
findet Tom Sachs' Installation alles andere als harmlos. "In der nach
einem jamaikanischen Fahrradladen benannten Installation Nutsy's
fahren ferngesteuerte Rennautos entweder durch ein unter Beschuss
geratenes amerikanisches Ghetto oder durch einen mit Kunstwerken
bestückten 'Moderne Park'. Auf diese Weise wird eine spielerische
Verbindung zwischen zwei in unserem Bewusstsein existierenden Extremen
hergestellt, Extreme, die unsere Welt und unseren Alltag bestimmen: auf
der einen Seite das ästhetische, auf der anderen das wirtschaftliche
Konzept." Tom Sachs, so Goridis, "macht Schluss mit der Betroffenheit,
stattdessen konfrontiert er die kunstbeflissene Spaß-Gesellschaft mit
einem intelligenten Mix, den es zu verdauen gilt, ein Mix, der sich
(perfiderweise) als amüsante Spielerei präsentiert".
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Der "leh." zeichnende Rezensent in der
Berliner Zeitung
sieht in Nutsy's die Stadtlandschaft "selbst als Produkt"
dargestellt, an dem sich "die Stationen wie ein Andenken an die Auf- und
Abschwünge der Konjunktur" ablesen lassen: "Illusion und Desillusion
wechseln sich ab." Für Audrey Dejardin vom Neuen
Deutschland
bietet die Installation "eine Vision der kapitalistischen und
sozialistischen, der europäischen und amerikanischen, der modernen und
postmodernen Welten an". Mit einer Mischung aus "Revolte und Humor"
wecke Tom Sachs unsere Kritiklust an den Konventionen der
Konsumgesellschaft: "Dank der Maquetten, der Matchbox-Autos und ihrer
Laufbahn, der Filme, der Videokameras, die die Besucher filmen, gelingt
Nutsy's als eine Inszenierung der Verfremdung. Unsere Sitten und Bräuche
als erfahrene Konsumenten scheinen plötzlich nicht mehr
selbstverständlich zu sein."
In der Frankfurter
Rundschau erklärt Ulrich Clewing, warum Tom Sachs' Installation weit
"über das reine, leicht pubertäre große-Jungs-Vergnügen" hinausgeht:
Sachs zeige in prototypischen Situationen die unterschiedlichen Bereiche
des urbanen Alltags auf: "Handel und Unterhaltung, gesellschaftliche
Repräsentation und Kriminalität, Anspruch und Wirklichkeit
städtebaulicher Planungen". Vor allem letzteres findet Clewing
interessant gelöst. Die Kombination von Corbusiers
Villa Savoye und dem Drive-In McDonalds "mag zunächst platt erscheinen.
Wenn man jedoch weiß, dass Le Corbusier als Maßeinheit für die Villa
Savoye den Wendekreis eines damals gerade auf den Markt gebrachten Autos
verwendete (des
Citroen Traction), wird daraus ein feinsinniger Kommentar zur Tradition
der Idee von der autogerechten Stadt: das Fast-Food-Restaurant als
konsequente Weiterentwicklung der Klassischen Moderne." Es kommt nicht
oft vor, freut sich Clewing, "dass Utopien aus den luftigen Höhen der
Unverbindlichkeit so schön mit beiden Beinen auf den Boden der Tatsachen
gestellt werden".
Anja Seeliger
Tom Sachs: Nutsy's
ist noch bis zum 5. Oktober in der
Deutsche Guggenheim Berlin zu sehen.
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