Aufbruch zur Verständigung: Die Deutsche Bank und der deutsch-russische Kulturaustausch
Mit der Ausstellung Kasimir Malewitsch
- Suprematismus im Deutsche Guggenheim Berlin setzt sich ein Engagement
fort, das nun bereits über ein viertel Jahrhundert währt: Seit den siebziger
Jahren wird die geschäftliche Kooperation der Deutschen Bank mit ihren
Partnern in Russland von einem bilateralen Kulturaustausch begleitet Das
war nicht immer so selbstverständlich wie heute: Oliver Koerner von
Gustorf über die Rolle, die die Kunst bei dieser Annäherung spielte.
Die russische Avantgarde in Düsseldorf: F. Wilhelm Christans
und die Sammlung Costakis

 Die Moskauer Wohnung von Georgi Costakis, Foto: Katalog Kunstmuseum Düsseldorf
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 F. Wilhelm Christians
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Es war ein "glücklicher Zufall",
der F. Wilhelm Christians als Vorstandsmitglied der Deutschen Bank mit
den Werken aller bedeutender Vertreter der russischen Avantgarde in Berührung
brachte – und dies nicht etwa in einem Museum oder einer Staatsgalerie,
sondern in einem bescheidenen Moskauer Apartment. Die Wohnung am Wernadski
Prospekt, in deren Zimmern sich jeweils bis zu siebzig Gemälde, Zeichnungen,
Collagen und Aquarelle von Künstlern wie Wassily
Kandinsky, Alexander
Rodtschenko, Marc
Chagall oder Ljubow
Popowa stapelten, diente als Privatmuseum einer der außerordentlichsten
Sammlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts: Über Jahrzehnte hatte der
1912 in Moskau geborene griechisch-stämmige George Costakis Arbeiten der
russischen Avantgarde-Künstler aufgekauft, wo immer er sie fand - oft bei
Familienangehörigen oder Freunden - und so zahlreiche Meisterwerke gerettet,
für die sich niemand mehr zu interessieren schien.
An keinem anderen Ort
der Welt, weder innerhalb noch außerhalb der damaligen Sowjetunion, fanden
sich Arbeiten der russischen Moderne in solch einer Menge und Qualität.
In den Siebzigern galt die Hochhauswohnung als prominenter Treffpunkt für
Künstler, Intellektuelle, Sammler und Wirtschaftsleute, die hier jene bekannten
und unbekannten Pioniere der Moderne entdecken konnten, deren Schaffen
auch die Kunstentwicklung in Westeuropa nachhaltig beeinflusst hat.

 Wassily Kandinsky, Boote, 1920 Sammlung Costakis, Foto: Katalog Kunstmuseum Düsseldorf
Die
zahlreichen Begegnungen zwischen dem deutschen Bankmanager und dem Moskauer
Sammler blieben nicht ohne Folgen. Als 1977 die Werke der russischen Avantgarde
aus der Sammlung
Costakis mit maßgeblicher Unterstützung der Deutschen Bank im Kunstmuseum
Düsseldorf zum ersten Mal im Westen gezeigt wurden, glich dies einer
Sensation – nicht nur für die Metropole am Rhein, sondern für die gesamte
Kunstwelt. Möglich geworden war dieses Ereignis auch durch Christians persönlichen
Einsatz. "Noch heute habe ich diesen wuchtigen, nervösen Mann vor Augen,
der sich vom Machtapparat bedroht und verfolgt fühlte", erinnerte er sich
2001 in einem Interview. Während Costakis sich auf dem Höhepunkt der Breschnew-Ära
entschloss, Russland für immer zu verlassen und den größeren Teil seiner
Kunstwerke als Gegenleistung für seine Ausreise der Moskauer Tretjakow
Galerie schenkte, bat er Christians, ihm dabei zu helfen, die restlichen
Werke ins westliche Ausland zu bringen. Christians schlug die Schau in
Düsseldorf vor, wo die Sammlung in einer Zwischenstation auf ihrem Weg
nach Athen vorgestellt werden sollte.

 Iwan Klijun, Sphärische Komposition, um 1923 Sammlung Costakis, Foto: Katalog Kunstmuseum Düsseldorf
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 Gustaw Kluzis, Entwurfszeichnung für Propaganda-Kiosk und Lautsprechertribüne, 1922 Sammlung Costakis, Foto: Katalog Kunstmuseum Düsseldorf
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Die restaurierten und neu gerahmten
Arbeiten machten das westliche Publikum mit Namen bekannt, die sogar in
Russland in Vergessenheit geraten waren. Die "Entdeckung" von Künstlern
wie Alexander Drewin, Ivan
Kliun oder Alexander
Wolkow zeigte, dass der Konstruktivismus und der Suprematismus nicht
die einzigen Aspekte der russischen Moderne waren, sondern verdeutlichte
erstmals die volle Bandbreite dieser Kunstszene. Für viele Besucher eröffnete
sich eine erstaunliche Sicht auf die russische Avantgarde, die auch figurative,
am Expressionismus geschulte Malerei mit einschloss und überraschende Parallelen
zu späteren westlichen Strömungen aufwies.
Neue Wilde in Moskau:
Das sowjetische Kulturministerium vereinbart mit der Deutschen Bank gemeinsame
Kunstausstellungen
Er war der erste westliche Wirtschaftsvertreter,
der mit Gorbatschow sprach: Es kam nicht von ungefähr, dass F. Wilhelm
Christians 2002 in einem Artikel
in der Zeit als "Außenminister" der Deutschen Bank bezeichnet wurde, der
von 1976-1988 als Vorstandsprecher das Auslandsgeschäft mit Beteiligungen
und Filialen ausbaute. Bereits Anfang der siebziger Jahre war das seinerzeit
politisch intensiv diskutierte Erdgasröhren-Geschäft
– die Lieferung von Mannesmann-Röhren gegen langfristige Gasliefervereinbarungen
– unter Führung der Bank finanziert worden. Mitten im Kalten Krieg begann
eine intensive wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der UdSSR. Auch hierbei
war Christans ein maßgeblicher Initiator. Das Geldinstitut wurde zum wichtigsten
Bankpartner der Sowjetunion und erhielt 1972 die Lizenz Nr. 001 für die
Eröffnung der ersten ausländischen Repräsentanz in Moskau.

 Mensch und Landschaft: Helmut Middendorf, SO 36 Eingeborene,1980 © Galerie Gmyrek, Düsseldorf
Es lag
also nahe, dass die Deutsche Bank den deutsch-russischen Kulturaustausch
nicht lediglich als Angelegenheit von Staaten oder Ländern, Städten und
Museen betrachtete, sondern 1983 gemeinsam mit dem Kunstverein für die
Rheinlande und Westfalen mit Mensch und Landschaft in der zeitgenössischen
Malerei und Grafik zum ersten Mal eine Ausstellung in der Sowjetunion
eröffnete, die allein auf der Privatinitiative eines deutschen Unternehmens
beruhte. Der Eröffnung im Zentralen
Haus der Künstler in Moskau waren langwierige Verhandlungen vorangegangen,
wobei Christians bereits 1981 beim sowjetischen Kulturminister persönlich
vorgesprochen hatte. Das Ergebnis sollte schließlich eine Reihe von vertraglich
vereinbarten, gemeinsamen Kunstausstellungen sein: "Wir wollten einen Zug
ins Rollen bringen und nicht nur diese eine Ausstellung machen", erinnerte
sich später, Axel Lebahn, ein Mitarbeiter von Christians.

 Mensch und Landschaft: Karl Horst Hödicke, Straßenarbeiter, 1976 © Galerie Gmyrek, Düsseldorf
Hinter
dem neutralen Titel von Mensch und Landschaft verbarg sich allerdings
mit dem Einblick in die deutsche Gegenwartskunst auch kulturpolitischer
Zündstoff. "Es gab Bilder, die wir von der Liste der Exponate streichen
mussten", so Lebahn. Die Ausstellung brachte nicht nur figurative Malerei
der siebziger Jahre, sondern auch jede Menge "Zeitgeist" ins Spiel. Nur
ein Jahr nach Christos
Joachimides berühmter Mammutschau
im Berliner Martin-Gropius-Bau
wurden jetzt in der russischen Metropole Vertreter des Neoexpressionismus,
der neuen deutschen Historienmalerei und der "Jungen Wilden" vorgestellt.
Zum ersten Mal sahen die Moskauer in ihrer Stadt Arbeiten von Polke,
Richter
und Beuys.
Immendorffs
Café Deutschland, Koberlings
Straßenarbeiter, Middendorfs
urbane Nachtszenen oder die von Georg
Baselitz auf den Kopf gestellten Landschaftsbilder: Das Anknüpfen an
expressionistische und realistische Traditionen aus der Vorkriegszeit verband
sich für zahlreiche der ausgestellten Künstler auch mit der historisch
längst überfälligen Aufarbeitung der eigenen deutschen Geschichte. Der
Umstand, dass hier die klassische Moderne bildnerisch ausgeschlachtet wurde,
sich expressive Bildrätsel einer eindeutigen Aussage verweigerten oder
politische Freund-Feind-Schematisierungen ad absurdum geführt wurden, begeisterte
und irritierte die Besucher gleichermaßen.

 Mensch und Landschaft: Jörg Immendorff, Cafe Deutschland II, 1978 © Galerie Michael Werner, Köln
Im Gegenzug zu diesem
Auftakt in Russland bereiste die mit dem sowjetischen Kulturministerium
vertraglich vereinbarte Ausstellung Zwischen Tradition und Gegenwart
von Dezember 1984 bis Mai 1985 die Bundesrepublik. Russische und sowjetische
Kunst aus sechs Jahrhunderten wurde in Düsseldorf, Stuttgart und Hannover
ausgestellt und danach in Museen im Ostblock gezeigt.
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 Schrecken und Hoffnung: Juri Koroljow, Weltraumbrüder, 1980 Staatliche Tretjakow-Galerie, Moskau
Noch im selben Jahr
wurde mit Unterstützung der Deutschen Bank ein ungewöhnliches Vorhaben
realisiert: Nicht Moskau, sondern die Gebietsgemäldegalerie
im sibirischen Nowosibirsk war 1985 die erste Station für die Einzelausstellung
des Hamburger Künstlers Horst
Janssen. So zeigte der Künstler, der zu den bedeutendsten deutschen
Zeichnern und Grafikern der Nachkriegszeit zählt, auch seine "Suite TOCKA
– Schwermut". Während Janssen diese Serie von Zeichnungen den deutschen
Bankern widmete, war sie vor allem eine Hommage an große russische Literaten
wie Turgenjew,
Puschkin,
Gontscharow
und Tolstoi.

 Schrecken und Hoffnung: Ausstellungsansicht, Eremitage St. Petersburg, 1988 Detail: Gelij Korshew, Suren des Krieges, 1964 Abbildung: Katalog
Höhepunkt und Schlusspunkt des vereinbarten bilateralen Kulturaustauschs
war 1987/88 Schrecken und Hoffnung - Künstler sehen Frieden und Krieg,
wobei erstmals Kunstwerke aus beiden Ländern in einer thematischen Ausstellung
gezeigt wurden. Beginnend in der Hamburger
Kunsthalle und dem Münchner
Stadtmuseum wurde die Ausstellungstournee in der Staatlichen Gemäldegalerie
Moskau und der Petersburger Eremitage
fortgesetzt. Das Thema erscheint auch nach der Auflösung der Machtblöcke
aktuell. Angesichts der "derzeit beunruhigenden internationalen Lage",
betonten die russischen Kunstexperten damals im Katalogbeitrag, seien die
in Schrecken und Hoffnung gezeigten Arbeiten als ein Appell an die
Kraft der menschlichen Vernunft zu verstehen. Der Rückblick auf Kriegs-
und Schreckensszenarien der letzten zweihundert Jahre, den die Ausstellung
mit über dreihundert Gemälden, Grafiken und Plastiken unternahm, verband
sich mit unterschiedlichen Darstellungen und utopischen Visionen von Friedenszeiten.
Die Gegenüberstellung von Malern des 19. Jahrhunderts mit der deutschen
Klassischen Moderne, der russischen Avantgarde, dem sozialistischen Realismus
und der jüngeren Kunst ging mit dem erneuten Anstoß einher, trotz der unmenschlichen
Verbrechen des zweiten Weltkrieges nach Wegen der Versöhnung zu suchen.

 Schrecken und Hoffnung: Felix Nussbaum, Die Gerippe spielen zum Tanz, 1944 Kulturgeschichtliches Museum, Osnabrück
Berlin
Moskau/ Moskau Berlin: Der Kulturaustausch nach der Perestroika
In
den zwanziger Jahren lebten zeitweise eine halbe Million Russen in Berlin:
Gegner und Befürworter der Oktoberrevolution, Kunstrevolutionäre, Schwärmer
für Goethe und den Expressionismus, "Rote Diplomaten" (Lesen Sie hierzu
in dieser Ausgabe Roland Enkes Artikel "Berlin im Zeichen des Quadrats").
Nach Moskau wiederum zog es deutsche Antifaschisten, Pazifisten, Revolutions-Sehnsüchtige,
Kunstexperimentatoren, Architekten, Ingenieure: "Nacht! Tauentzien! Kokain!
Das ist Berlin", dichtete damals der russische Poet Andrej
Belyj. Im Rahmen der Berliner Festwochen beleuchtete die Ausstellung
Berlin Moskau/ Moskau Berlin 1995 die kulturelle Entwicklung beider
Städte in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts. Mit der finanziellen Unterstützung
dieser Ausstellung setzte die Kulturstiftung der Deutschen Bank ihr deutsch-russisches
Engagement fort.
Die Schau, die in beiden Hauptstädten zum Publikumsrenner
avancierte, widmete sich russischer Literatur, Architektur, Musik, bildender
Kunst und Theater, die dazu beitrugen, Berlin nach dem Sturz von Kaiser-
und Zarenreich zur aufregendsten Metropole der zwanziger Jahre zu machen.
Wie erfolgreich das Ausstellungsprojekt war, beweist auch der Umstand,
dass sich nun, acht Jahre nach der Eröffnung von Berlin Moskau/ Moskau
Berlin beide Städte für eine Fortsetzung
rüsten: Im Berliner Martin-Gropius-Bau wird Ende September der zweite Teil
der Schau eröffnet, der der deutsch-russischen Kulturgeschichte in der
zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gewidmet ist. Im Frühjahr 2004 soll
die Ausstellung dann in der Staatlichen Tretjakow Galerie in Moskau zu
sehen sein.

 Moskauer Schau in der Kleinen Manege: Georg Baselitz, Ohne Titel, 1997 Sammlung Deutsche Bank
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 Moskauer Schau in der Kleinen Manege: Georg Baselitz, Ohne Titel, 1997 Sammlung Deutsche Bank
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Nicht nur der Rückblick in die Moderne, sondern auch die
Begegnung mit aktueller russischer Kunst wurde von der Deutschen Bank gefördert.
Mit Unterstützung der Kulturstiftung wurden 1996 in der Frankfurter
Schirn frühe Bilder und Radierungen des 1957 in Moskau geborenen Maxim
Kantor vorgestellt. Neben Kantor sind auch junge russische Künstler
wie Pavel
Pepperstein oder Vladimir Kuprianov in der Sammlung
Deutsche Bank vertreten. Einen weiteren Meilenstein im Rahmen des kulturellen
Austausches bildete die Ausstellung Georg Baselitz in Moskau. Die
”Kleine Manege” wurde 1997 anlässlich des 850-jährigen Bestehens der Stadt
zum Schauplatz für die erstmalige Präsentation von über zweihundert Arbeiten
auf Papier sowie Gemälden und Skulpturen des Künstlers aus dem Bestand
der Sammlung Deutsche Bank.
Obwohl man meinen könnte, die bahnbrechenden
Leistungen der russischen Avantgarde seien inzwischen umfassend dokumentiert,
widmete sich 1999 die Ausstellung
Amazonen der Avantgarde einem bislang kaum gewürdigten Aspekt: der
Beteiligung und Bedeutung weiblicher Künstler in dieser Bewegung. Bis auf
Natalja
Gontscharowa waren alle der im Deutsche Guggenheim präsentierten Künstlerinnen
bereits bei der Ersten Russischen Kunstausstellung 1922 in Berlin
vertreten gewesen, die nur wenige Meter von der heutigen Deutsche Guggenheim
entfernt in der Galerie van Diemen stattfand. Hier stellten Alexandra
Exter, Ljubow Popowa, Olga
Rosanowa, Warwara
Stepanowa und Nadeschda Udalzowa ihre Werke gleichberechtigt neben
ihren männlichen Künstlerkollegen aus.

 Amazonen der Avantgarde: Wawara Stepanowa und Ljubow Popowa, Moskau 1924, Foto: Ausstellungs-Katalog
>> zur Bildergalerie Amazonen der Avantgarde
"Unser Material, mit dem wir arbeiten,
ist der Farbstoff, aus ihm allein schaffen wir eine reale neue Welt", schrieb
Udalzowa 1917 an Kasimir
Malewitsch, der sie "als beste Suprematistin" bezeichnete. Die von
John E. Bowlt, Matthew
Drutt, dem Kurator der Ausstellung
Malewitsch - Suprematismus, und Selfira Tregulowa in fünfjähriger
Vorarbeit realisierte Schau dokumentierte nicht nur die Evolution der russischen
Malerei von der Jahrhundertwende bis zu den zwanziger Jahren. Sie machte
das Publikum in Berlin, London, Venedig und New York mit Amazonen bekannt,
die in vieler Hinsicht westlichen Vermutungen über die Freiheit und Kreativität
von Schriftstellerinnen und Künstlerinnen widersprachen. Sie malten zusammen
mit den Männern, stellten zusammen mit ihnen aus, unterzeichneten gemeinsam
Manifeste, illustrierten dieselben Bücher, sprachen auf denselben Konferenzen
und schienen sich wenig Gedanken über Geschlechterunterschiede und Geschlechterrivalität
zu machen. Einen anschaulichen Einblick in das Schaffen und die Lebenswelten
dieser "genialen Frauen" gibt auch der umfassende Katalog zur Ausstellung
(Bestellung im MuseumsShop der Deutsche Guggenheim hier).
Mit
Man in the Middle wurde im letzten Herbst in der Petersburger Eremitage
eine Ausstellung aus der Sammlung Deutsche Bank eröffnet, die mit rund
einhundert Zeichnungen, Gemälden, Skulpturen und Fotografien das sich wandelnde
Menschenbild von der Moderne bis in die Gegenwart dokumentierte.

 Alexandra Exter: Stadtlandschaft (Komposition), ca.1916 © Slobodskoi- Museum und Ausstellungszentren
Vorläufig
erscheint Malewitsch - Suprematismus im Deutsche Guggenheim Berlin
als letzter Höhepunkt eines deutsch-russischen Dialogs, der nach fünfundzwanzig
Jahren unter gewandelten Vorzeichen steht. Während sich der Handel und
der Austausch von Kunst und Kultur in einem Ausmaß liberalisiert haben,
das zu Zeiten der ersten Präsentation der Costakis Sammlung im Westen noch
unvorstellbar war, haben auch einstige Machtblöcke und Ideologien ihre
angestammte Bedeutung verloren. Nach der Auflösung der UdSSR erhielt die
Deutsche Bank im November 1991 das Mandat, das Bank Advisory Committee
zu führen und die Lösung der Altschuldfragen der Sowjetunion gegenüber
den westlichen Bankgläubigern zu koordinieren. Im Oktober 1997 wurden die
Verhandlungen zur Umschuldung im Rahmen des Londoner Clubs zu einem erfolgreichen
Abschluss geführt. Im letzten Jahr begleitete die Deutsche Bank als Depotbank
den Börsengang des größten russischen Lebensmittelkonzerns Wimm-Bill-Dann.
Die Geschichte des von der Deutschen Bank geförderten deutsch-russischen
Kulturaustausches dokumentiert, dass Kunst sowohl Katalysator als auch
Gradmesser gegenseitiger Annäherung sein kann. Dass sie sich allerdings
auch mit der utopischen Forderung nach grundsätzlicher kultureller Erneuerung
verbindet, die erst von zukünftigen Generationen eingelöst werden wird,
belegt eine Hoffnung, die Olga Rosanowa 1915 in einem Text über Kubismus,
Futurismus und Suprematismus äußerte: "... so glauben wir doch daran, dass
eine Zeit kommen wird, wo unsere Kunst, die gerechtfertigt ist durch das
uneigennützige Streben, eine neue Schönheit zu zeigen, für viele zum ästhetischen
Bedürfnis wird". |