Presseschau zu "Gerhard Richter: Acht Grau"
"Eine bis an
die Schmerzgrenze hochgefahrene Neutralität" macht
Harald Fricke in der taz in Gerhard Richters acht grauen Monochromen
aus. So stehe der Betrachter vor genau dem, was ist, und frage sich doch
ständig, was es sein könnte, meint Fricke. "Karge Dekoration inmitten von
Herrschaftsarchitektur? Ein Mausoleum der Malerei? Oder ein trickreich
gehängtes Kabinett aus monochromen Flächen, in deren blank polierten Oberflächen
man sich automatisch spiegelt?" Auch wenn sich die acht monumentalen Tafeln
ins umgebende Stadtambiente mühelos einfügen, spürt Fricke einen Hauch
von Subversion in dem für Deutsche Bank und Deutsche Guggenheim gefertigten
Werk: "Grau ist bei Richter schon immer die Farbe des Widerstands - ein
Signal für Unvereinbarkeit und Unversöhnlichkeit mit dem, was er 'kapitalistischen
Realismus' nannte."
Sebastian Preuss wagt
in der Berliner Zeitung gar nicht daran zu denken, wie die acht
grauen Spiegelbilder beurteilt würden, hätte ein "freches Greenhorn" sie
geschaffen. Doch Gerhard Richter gesteht er nicht weniger zu, als die Malerei
gerettet zu haben: "Die maschinell gefertigten Glastafeln entspringen dem
gleichen Geist wie die Gemälde des Konzeptmalers Richter. Der besessene
Maler hat in seinen Werken immer wieder hinterfragt, was Malerei, ja was
Kunst überhaupt sein kann. Über den Umweg der Fotografie wies er seit den
sechziger Jahren der verpönten Gattung einen Weg aus ihrer Sinnkrise. |
Seine
Fotonachahmungen bilden eine Meta-Malerei, die bis heute zahllose Künstler
mit der Gattung versöhnt und ihre Aktualität sichert."
Gabriela
Walde beschwert
sich in der Welt vor allem darüber, dass Gerhard Richter sich
geweigert hat, in der Pressekonferenz sein Werk in zwei Sätzen zu erklären.
"Der Meister spricht wieder nicht", bemerkt sie mehr eingeschnappt als
süffisant. Sie selbst findet: "Spiegelflächen sind nun mal frei für alle
Projektionen, jede Interpretation passt. Irgendwie. Man kann alles sehen
- oder nichts."
Christina Tilmann findet
es im Tagesspiegel dagegen ganz richtig, dass Gerhard Richter nicht
über seine Konzepte, Überlegungen, Planungen spricht: "Denn seine Werke
sind unmittelbar zugänglich – und fächern sich doch immer weiter auf, je
tiefer man eindringt." Und so monumental die acht Monochrome auch wirkten,
meint Tilmann, "wie durchlässig, wie sensibel" die Arbeit ist", zeige sich
daran, dass sie extrem abhängig von ihrer Umgebung sei. So stellt sie fest:
"Bleibt das kühle Neonlicht der Ausstellungshalle angeschaltet und spiegelt
sich mit seinen weißen Röhren in den Platten, entsteht ein klinisch-kühler,
stark künstlicher Raumeindruck, ein Abgehobensein von der Realität. Beherrscht
das – durch die erstmals auf die Linden hinaus geöffneten Fenster – eindringende
Tageslicht, der Abenddämmer den Raum, entsteht eine dämmrig-sakrale Stimmung,
tritt das Werk zurück und gleichzeitig die Straße, die Stadt in den Raum." |